Fast wäre der erste richtige Festivaltag des Obstwiesenfestivals schon wieder vorbei gewesen, bevor er so richtig begonnen hatte. Drei Bands haben am frühen Abend gespielt, die vierte steht schon in den Startlöchern. Dann macht das Wetter den Veranstaltern einen Strich durch die Rechnung. Tief grau zeigt sich der Himmel über dem Festivalgelände nahe der Rommel-Kaserne, kurz vor 20 Uhr ist das Gewitter dann zu nah und die Veranstalter müssen handeln: Das Programm wird unterbrochen.

Per Lautsprecherdurchsage werden die Besucher gebeten das Gelände zu verlassen und sich in den Autos in Sicherheit zu bringen, kurze Zeit später peitschen Starkregen und heftige Windböen über das Gelände, am Himmel zucken immer wieder Blitze. Die Veranstalter waren auf die Evakuierung offenbar gut vorbereitet: „Man macht sich im Vorfeld natürlich darüber Gedanken, wie man ein solches Gelände evakuiert“, sagt Organisator Clemens Wieser. Die Räumung des Festivals in Zusammenarbeit mit Polizei und Feuerwehr habe gut funktioniert, sagt er.

Gegen 21 Uhr entscheiden Veranstalter, Polizei und Feuerwehr dann gemeinsam, dass das Programm wieder weitergehen kann – allerdings nicht auf der großen Bühne. „Dort mussten wir wegen des Windes die Planen entfernen“, sagt Wieser. Die Bühne sei deswegen komplett unter Wasser gestanden, auch die Technik habe einiges abbekommen. Über Nacht werden die Schäden nun behoben. Wieser verspricht: „Am Samstag werden wir dort auf jeden Fall wieder spielen.“

Nachdem das Gelände wieder geöffnet ist, steht dann aber die Musik im Mittelpunkt. Statt der großen Bühne wird kurzerhand das Merchandising-Zelt zu einer weiteren Bühne umfunktioniert, dort darf das Hamburger Duo „Gurr“ als erstes auftreten – und es wird kuschelig. Beinahe wie ein Wohnzimmerkonzert fühlt sich der Auftritt in dem kleinen Zelt an, wer ganz vorne steht muss eigentlich nur seinen Arm ausstrecken um die Künstlerinnen zu berühren.

Noch voller wird es in dem kleinen Zelt dann beim Auftritt von „Granada“. Die Österreicher singen in breiter Mundart, unterstützt wird der alpenländische Klang von einem Akkordeon. Auch sie sind dank des engen Raumes im wahrsten Sinne des Wortes Stars zum Anfassen –als sich der Gitarrist mit seinem Instrument im Mikrofon-Ständer verheddert, hilft das Publikum kurzerhand beim Befreien mit.

Deutlich lauter und wilder als erwartet wird es im großen Zelt bei „Ebbot Lundberg & The Indigo Children“, die mit schwarz-weißer Kriegsbemalung und rockigen Gitarrenklängen das Publikum zum Tanzen bringen – auch wenn im Zelt noch deutlich Platz ist. Klarer Höhepunkt sind dann die schwedischen Indie-Rocker von Johnossi. Schon beim ersten Hit des Auftritts, dem eingängigen „Air is free“, singt das Publikum lauthals mit und spätestens bei „Man must Dance“ hat Sänger John Engelbert die Zuhörer vollends auf seiner Seite. Es wird gehüpft, geklatscht, genickt, gewippt – und vor allem getanzt.

Am Samstag geht das Festival in Dornstadt ab 14 Uhr weiter. Erwartet werden unter anderem die Steaming Satellites, der Singer-Songwriter Faber und das Elektro-Pop-Duo Hundereds.