Nach der Babypause wieder auf Tournee

Michael Sadler singt wieder bei Saga. Foto: Archiv/Udo Eberl
Michael Sadler singt wieder bei Saga. Foto: Archiv/Udo Eberl
HELMUT PUSCH 13.08.2012
Vor 30 Jahren hatte die Neoprog-Rockband Saga große Erfolge - vor fünf Jahren verließ Sänger Michael Sadler die Band. Nun ist er wieder dabei, und die Band hat ein neues Album. "20/20".

"Saga" wurde vor 35 Jahren gegründet. Sie haben die Band 2007 verlassen. Warum?

MICHAEL SADLER: Es gab damals Gerüchte, ich und der Rest der Band hätten uns wegen musikalischer Differenzen überworfen. Das stimmte aber nicht: Es waren rein persönliche Gründe. Ich wurde damals Vater und wollte nicht, dass ich von den Entwicklungen meines Kindes am Telefon erfahre. Ich wollte nicht nur hören, dass es gerade die ersten Schritte macht, ich wollte es miterleben. Das geht aber nur, wenn man nicht auf Tournee ist.

Was hat Sie zurück in die Band gebracht?

SADLER: Als ich bei Saga ausstieg war klar, dass ich irgendwann auch wieder zurückkommen kann. Mein Sohn Seren ist jetzt alt genug, um zu verstehen, was sein Dad beruflich macht, dass er um sein Geld als Musiker zu verdienen auch Konzerte geben muss und nicht immer zuhause sein kann. Also meldete ich mich zurück.

Sie haben acht Jahre lang in Saarbrücken gelebt. Wie gut ist eigentlich Ihr Deutsch?

SADLER: Gut genug, um sich etwas zu unterhalten, aber Interviews führe ich lieber in Englisch.

Saga war in den 80er Jahren vor allem in Deutschland und Puerto Rico erfolgreich. In Deutschland, weil Sie als Vorband der Styx ein großes Publikum erreicht hatten. Was war der Türöffner in Puerto Rico?

SADLER: Ich habe mir oft überlegt, was Deutschland und Puerto Rico gemeinsam haben, ich habe keinen gemeinsamen Nenner gefunden. In Deutschland war es wohl die orchestrale Seite der Band, die Puertoricaner schätzten vielleicht unsere rhythmische Seite. Oder sagen wir doch einfach mal so: Die Deutschen hatten eben einen guten Geschmack und waren damals schon weiter als andere Länder (lacht).

Zu Beginn spielte Saga elaborierten orchestralen Rock mit virtuosen Gitarrensoli. Das neue Album klingt anders, härter eher nach aktuellem Progrock. Warum?

SADLER: Das weiß ich auch nicht so genau. Früher war ich einer der Hauptkomponisten der Band, aber bei "20/20" kam ich erst dazu, als die Instrumentalparts schon fertig waren. Auf der einen Seite etwas frustrierend, auf der anderen aber eine tolle Erfahrung, schon bei der Gesangsaufnahme den vollen Sound auf dem Kopfhörer zu haben. Das war sehr inspirierend.

Wenn man zurückblickt war Saga auch ein Opfer der technologischen Entwicklung. Die ganzen komplizierten Unisono-Parts mit Gitarre und Keyboard waren plötzlich obsolet, als die Midi-Technologie ermöglichte, dass der Gitarrist auch die Keyboardsounds ansteuern konnte.

SADLER: Das ist absolut richtig. Wir haben ja auch versucht, diese Technik für uns zu nutzen. Wir haben sowieso immer alle Möglichkeiten genutzt. Nur verändert sich mittlerweile alles irrsinnig schnell, da kann man nicht mehr mithalten. Und nachdem heute jeder ein Homestudio hat und Musik produziert, wird es auch immer schwieriger, etwas zu finden, das es noch nicht gibt. Es ist unglaublich, was heute möglich ist: Bei "20/20" nahm der Toningenieur nach den Gesangsaufnahmen die Produktion mit, um sie auf seinem I-Pad während eines Fluges zu mischen. Das ist heute technisch möglich. Wahnsinn.

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