Klassik Musikfest Stuttgart: Rademann in seinem Element

Stuttgart / Hanns-Horst Bauer 11.09.2018

Ob Haydn am Beginn, Bach in der Mitte oder Händel zum Finale: Hans-Christoph Rademann, der Leiter der Internationalen Bachakademie Stuttgart, ist beim Musikfest unter dem Motto „Krieg und Frieden“ immer in seinem musikalischen Element. So kann er denn nach 16 Tagen mit 40 Veranstaltungen bei einer Auslastung von 87 Prozent positiv Bilanz ziehen. Auch Katrin Zagrosek, die Geschäftsführende Intendantin, zeigt sich hocherfreut: „Die Akzeptanz des Musikfests ist sichtbar gestiegen. Dieses positive Signal gibt uns den nötigen Rückenwind für weitere Entwicklungen bei der Bachakademie.“

Nach Händels „Belshazzar“ im vergangenen Jahr präsentierte  Rademann im fast ausverkauften Beethovensaal der Stuttgarter Liederhalle  Georg Friedrich Händels kompositorische Auseinandersetzung mit dem europäischen Frieden von Utrecht 1713. Mit einer Suite aus seiner Opera seria „Il Pastor fido“ als Opening stellten sich die Musiker der Gaechinger Cantorey als Solistenensemble erster Klasse vor.

Heiter und beschwingt, markant und temperamentvoll führten sie in den Abend ein und zeigten unter Rademanns körperbetonter Stabführung, was sie unter der von Nikolaus Harnoncourt geforderten „Klangrede“ verstehen: wunderbar zart und innig Daniel Lanthiers von der Theorbe begleitetes Oboensolo im rasanten Allegro-Satz, leidenschaftlich durchglüht das Violinsolo von Nadja Zwiener im Finale.

Fein durchhörbares Klangbild

Als große Friedensstifterin wird die „erhabene“ Queen Anne im Refrain der ihr gewidmeten Geburtstags-Ode gefeiert, obwohl der Friedensvertrag von Utrecht noch gar nicht ratifiziert war. Bereits hier, wie auch in den beiden folgenden Werken, zeigten sich die 32 Sängerinnen und Sänger der Gaechinger in Topform. Von den Gesangssolisten überzeugten die Sopranistin Christina Landshamer und der junge Bassbariton Andreas Wolf, während der Tenor Benedikt Kristjánsson kaum gefordert war und der Counter Reginald Mobley stilsicher  Koloraturen perlen ließ, insgesamt aber eher blass wirkte.

Auch beim Utrechter „Te Deum“ mit angeschlossenem „Jubilate“ überzeugten Chor und Orchester mit einem fein durchhörbaren Klangbild und begeistertem Einsatz. SWR 2 hat das Konzert mitgeschnitten und sendet es am 26. September um 20.03 Uhr. Da die Aufnahme im Frühjahr 2019 auf CD veröffentlicht werden soll, wurden die Konzertbesucher im Programmheft gebeten, „starken Husten mit einem Taschentuch zu dämpfen“. Das taten sie denn auch brav, klatschten am Schluss kräftig Beifall und jubelten.

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