Sturzflug oder Aufstieg? Wenn Sascha Lien mit seiner Rockröhre singt, geht’s nach oben. Ziemlich hoch. Der Mann war vor zwei Jahren am Theater Ulm der umjubelte junge Held in „Rock of Ages“ gewesen – jetzt soll er als Albrecht Ludwig Berblinger abheben. „Und es brennt immer noch in mir.“ Er hat es drauf. Und die Musik ist nicht weniger viel versprechend: melodiengriffiger, anspruchsvoller, gerne auch gitarrengetriebener Pop: „Ich bin ein Berblinger“ heißt das Musical, das am 26. Juni auf der Roxy-Bühne Premiere feiern soll – besser gesagt: Uraufführung.

Sieben Vorstellungen von Ende Juni bis Mitte Juli sind angesetzt. Natürlich hoffen die Musical-Macher aus der Region, dass der in der Coronavirus-Krise zum Stillstand kommende Kulturbetrieb dann rechtzeitig wieder hochfahren kann. Kummer sind Albert Hefele (Libretto), Christof Biermann, Helmut Pusch und Hermann Skibbe (Songs und Musik) freilich gewohnt, und das Scheitern gehört zur Historie, zum Stoff. Vor zehn Jahren schon war ihre Idee zu einem Musical über den Schneider von Ulm entstanden, der 200. Jahrestag des Flugversuchs hatte angestanden – am 31. Mai 1811 stürzte Berblinger vor dem Bruder des württembergischen Königs in die Donau.

Die Stadt unterstützt die Produktion mit 90 000 Euro

Das Musical-Projekt fiel ins Wasser, weil das Geld fehlte. Aber es kam die nächste Chance: der 250. Geburtstag Berblingers. Die Stadt Ulm nahm das Musical diesmal mit auf ins Festivalprogramm, unterstützt die Produktion mit 90 000 Euro. Das ist seit Juni vergangenen Jahres klar. Das Risiko freilich tragen die Macher, die für dieses Musical den Verein Patchwork Kultur gründeten. Seither hat die Truppe, zu der auch Thomas Dietrich als Regisseur, Günther Brendel (Bühnenbild) und Sybille Gänßlen-Zeit (Kostüme) gehören, ihr Projekt weiter voran getrieben, das Stück noch einmal überarbeitet – und eine professio­nelle Besetzung gefunden.

Neben Lien wirken in Hauptrollen Sofie Denner aus Blaustein mit, die einst bei den Ulmer Spatzen sang und in Wien eine Ausbildung als Musical-Darstellerin absolvierte. Aus Hamburg kommt  Brix Schauenburg, und auch der Comedian und TV-Moderator Sebastian „Gniechel“ Christ ist mit dabei. „Der Spirit ist toll“, sagt Skibbe, dem „Höhenflug“ stehe nichts im Wege.

Ein Nachfahre des Tüftlers will die Genialität seines Urahns beweisen

„Ich bin ein Berblinger“ also heißt das Musical, und es erzählt nicht einfach die historische Geschichte. Es geht vielmehr um die Rehabilitation des Schneiders von Ulm und die Chancen des Scheiterns. Der Plot ist originell. Ein Nachfahre des Tüftlers und Flugpioniers, der ebenfalls Albrecht Ludwig Berblinger heißt und deshalb in der Schule gemobbt wurde, will beweisen, wie genial sein Urahn war. Er baut Fluggeräte, übernimmt sich aber finanziell und scheitert derart, dass er in der Psychiatrie landet. Dort trifft er auf den skrupellosen Geschäftsmann Hampel, der sich selbst in die Klinik eingewiesen hat, weil er wegen dubioser Deals untertauchen musste. Auch dort wittert Hampel das große Geld, er will seinem Mitpatienten mithilfe des korrupten Anstaltspsychiaters Rollinger die Namensrechte an Albrecht Ludwig Berblinger und die Ideen abgaunern. Aber da wäre ja noch Hampels Sekretärin Isabelle . . . Eine Liebesgeschichte muss im Musical ja auch sein.

„Stopp, nicht das Ende verraten!“, sagte Christof Biermann bei der Pressekonferenz im Roxy. Regisseur Thomas Dietrich aber verspricht: „In Musicals gibt’s immer ein Happy End – außer bei der ,West Side Story’.“

„Ich bin ein Berblinger“ aber ist eine Ulmer Story. Und deshalb plakatiert Gold-Ochsen: „Ich bin ein Bierblinger“. Na dann Prost!

Sieben Vorstellungen sind geplant


Die Uraufführung des Musicals „Ich bin ein Berblinger“ ist für den 26. Juni im Roxy geplant. Weitere Vorstellungen: am 27. Juni sowie am 2., 5., 9., 10. und 11. Juli, jeweils 20 Uhr. Tickets gibt es online und beim Roxy.