Schwerin Museen müssen Besucher einbeziehen

War Kuratorin am British Museum in London: Silke Ackermann.
War Kuratorin am British Museum in London: Silke Ackermann.
DPA 13.08.2012
"Berühren verboten"? Nach Auffassung der Kulturwissenschaftlerin Ackermann sollte es heute in Museum heißen: "Mitmachen erwünscht!"

Die Kulturwissenschaftlerin Silke Ackermann plädiert dafür, Besucher im Museum viel stärker einzubeziehen. "Wenn die Besucher eine Skulptur auch mal anfassen oder an einem vergilbten Pergament riechen dürfen, ist das eine ganz neue Erfahrung", sagt die langjährige Kuratorin des British Museum in London. "Die Menschen müssen heutzutage nicht mehr ins Museum gehen, um etwas zu lernen." Durch die Informationsfülle im Internet schwinde die Deutungshoheit von Kultureinrichtungen. Deren gesellschaftlicher Kontext verändere sich rapide - auch im Licht der globalen Finanzlage.

"Für Museen führt kein Weg daran vorbei, sich zu wandeln, wenn sie noch relevant bleiben wollen", sagt Ackermann. Andernfalls seien die Einrichtungen von Besucherverlusten bedroht. "Es gibt in Deutschland bereits viele interessante Ansätze, die wir analysieren wollen, um eine Art Leitfaden zu erstellen, von dem alle profitieren können." Ackermann soll in Kürze die Professur für Kulturtourismus und Marketing am Baltic College in Schwerin erhalten. Dort will sie ein Forschungsprojekt zu umfassender Barrierefreiheit in Museen aufbauen.

Ackermann ist sich sicher: "Wir müssen weg vom klassischen Museum mit Vitrinen voller Vasen und einem knappen Beschreibungstext darunter." Die Grenze zwischen den Besuchern und den Ausstellungsobjekten sollte so weit wie möglich eingerissen werden.

Schwierig vermittelbare Objekte könnten so auch ganz anders erklärt werden. "Museen stehen unter starkem politischem Druck und müssen immer öfter beweisen, dass sie für breite Bevölkerungsschichten relevant sind, nicht nur für eine kleine Elite", sagte Ackermann. Bei zahlreichen Themen biete es sich an, Vertreter von Interessengruppen schon in die Planung einzubeziehen. "Es ist nicht mehr genug, einfach eine schöne Ausstellung zu machen."