Kulturpolitik Moderne Bühnen für Dresden

Startet heute: das Kulturkraftwerk Dresden.  Foto: Renderwerke
Startet heute: das Kulturkraftwerk Dresden. Foto: Renderwerke © Foto: FRenderwerke
dpa 15.12.2016

Das Image Dresdens lässt sich derzeit auf wenige Schlagwörter verkürzen. Für die einen sind das fremdenfeindliche Übergriffe, brüllende Wutbürger und deren Ausfälle zur zentralen Feier am Tag der Deutschen Einheit. Doch für viele bleibt Dresden ein Sehnsuchtsort, eine barocke Schönheit mit ausgeprägtem Sinn für Kultur und Feingeist. All jenen liefert „Elbflorenz“ jetzt neue Argumente.

Heute öffnet in Dresden eine fast 100 Millionen Euro teure neue Kulturstätte ihre Türen. Das frühere Kraftwerk Mitte wird ein Spielort für die Staatsoperette und das Theater Junge Generation (TJG), Deutschlands größtes Kinder- und Jugendtheater mit gleich drei Spielstätten.

Parallel dazu stemmt Dresden ein weiteres kulturelles Vorhaben gleichen Umfangs: Der zu DDR-Zeiten eröffnete Kulturpalast im Stadtzentrum wird umgebaut. Es soll ein erstklassiger Saal für die Philharmonie entstehen, zudem ein Domizil für die Stadtbibliothek und das Kabarett „Die Herkuleskeule“. Die Eröffnung ist für April 2017 geplant.

Damit erhält die Stadt sechs moderne Bühnen auf einen Streich. In Zeiten knapper kommunaler Kassen grenzt das an ein Wunder. Dresdens Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (Linke) verweist jedoch darauf, dass Dresden damit ein Stück Normalität herstellt. „Denn es gab bei der Staatsoperette und dem TJG einen extremen Sanierungsstau. Die Stadt musste handeln.“ Tatsächlich waren die nach dem Zweiten Weltkrieg gegründeten Häuser am Stadtrand lange zum Improvisieren gezwungen.

Gleiches gilt sich für die Philharmonie im 1969 eröffneten Kulturpalast. Im Sommer 2012 lief die Betriebsgenehmigung aus. Im März 2007 war der Bau wegen Brandschutzmängeln schon einmal geschlossen worden. Zu diesem Zeitpunkt hatte der frühere Chefdirigent Marek Janowski die Stadt schon lange verlassen – aus Frust über den immer wieder aufgeschobenen Umbau des Saales.

Seit 2012 spielt das Orchester mit seinem jetzigen Chef Michael Sanderling in Interimsspielstätten. Auch er hat jetzt endgültig die Nase voll. Als der Stadtrat den Philharmonie-Etat kürzlich um 250 000 Euro pro Jahr kürzte, kündigte er seinen Abgang für das Jahr 2019 an. Jörg Schurig, dpa