Mit Elvis auf der Autobahn

Er war ein Superstar der 60er Jahre und hat jetzt seine Autobiografie vorgelegt: Gus Backus mit seiner zweiten und vierten Frau Heidelore. Foto: Helmut Pusch
Er war ein Superstar der 60er Jahre und hat jetzt seine Autobiografie vorgelegt: Gus Backus mit seiner zweiten und vierten Frau Heidelore. Foto: Helmut Pusch
HELMUT PUSCH 02.01.2012
"Ich esse gerne Sauerkraut und tanze gerne Polka". Seine Blödel-Schlager waren Hits der frühen 60er Jahre. Jetzt hat Gus Backus seine Autobiografie vorgelegt, und die stellt richtig: "Ich esse gar kein Sauerkraut".

Wenn er über die Stränge schlug, war das immer ein Thema für die Seite eins der deutschen Klatschpresse. 1962 gab es Gus Backus auch als 18-teiligen Starschnitt in der Jugendzeitschrift Bravo, damals die höchste Ehre für einen Popstar.

Aber halt mal. Pop gab es damals noch gar nicht, zumindest nicht in Deutschland. Da hießen Liedchen wie sie Gus Backus trällerte, Schlager. Dabei kannte sich dieser Donald Edgar Backus aus Long Island sehr wohl im Pop aus. Schon 1956 hatte er mit dem Gesangsquintett "Del Vikings" und "Come go with me" einen Top-Ten-Erfolg in den USA. Sechs Millionen Mal wurde die Single damals verkauft. Klar, der Start einer Riesenkarriere.

Eben nicht. Gus Backus war damals bei der Air Force, und die versetzte den hoffnungsvollen Popstar im Juli 1957 nach Deutschland - wie auch Elvis Presley. Und den lernte Backus in Frankfurt kennen. "Elvis rief mich an, weil er in der Truppenzeitschrift Stars and Stripes gelesen hatte, dass auch ein Sänger der Del Vikings in Frankfurt stationiert war. Und er schlug vor, dass wir uns ein Auto mieten und mal die deutsche Autobahnen testen", erzählt Backus. "Elvis fuhr wie ein Irrer, aber er war ein guter Fahrer. Ich bin der Beweis, ich lebe noch."

Noch zu seiner Militärzeit heiratete Backus seine erste Frau Karin. Deren Onkel riet ihm, sich an deutsche Plattenfirmen zu wenden: "Er ging zum Schrank und zog eine Platte von Freddy Quinn heraus. Polydor las er vor. Da schreibst du hin."

Die Polydor antwortete. Nur: Backus sollte auf Deutsch singen. "Mein Deutsch reichte gerade um zwei Bier zu bestellen," erzählt Backus schmunzelnd. "Ich habe mir die Texte vorsprechen lassen und sie phonetisch aufgeschrieben. Ich hatte keine Ahnung, was ich damals auf Deutsch gesungen habe."

Und was sagt Backus heute zu Titeln wie "Der Mann im Mond", "Da sprach der alte Häuptling der Indianer" oder "Ich esse gerne Sauerkraut"? "Oh my God", um aber gleich hinterherzuschicken: "Andere Länder, andere Sitten." Denn auf Deutschland lässt Backus nichts kommen. "Ich war damals froh, dass ich einen Job hatte." An eine Rückkehr nach Amerika dachte Backus nicht. Nur mit einem räumt er auf: "Ich esse gar kein Sauerkraut. Einmal habe ich es probiert, und mein Magen spielte verrückt."

Wie gesagt: In den frühen 60ern lief alles wie geschmiert. Backus hatte 20 Top-Ten-Hits, spielte in Filmkomödien mit Lieselotte Pulver und Udo Jürgens. Der Einbruch kam mit dem Beat und Rock. Plötzlich wollte keiner mehr deutsche Schlager hören. "Ich dachte, das ist meine Chance, schließlich ist meine Muttersprache ja Englisch."

Doch die Produzenten winkten ab. Backus verlor seinen Plattenvertrag, tingelte durch Bierzelte, bekam Alkohol- und Drogenprobleme, verließ 1973 seine zweite Frau Heidelore, flüchtete in die USA - und wurde 1980 in Frank Laufenbergs Pop- und Rock-Almanach Lexikon sogar schon tot gesagt. Backus war aus dem Musikbusiness ausgestiegen, arbeitete als Vorarbeiter auf den Ölfeldern New Mexicos, hatte zu dritten Mal geheiratet, Byra, eine Krankenschwester.

Ende der 80er versuchte Backus nochmals ein Comeback in Österreich, das aber fehlschlug. 2001 starb Byra, Backus wurde wegen eines schweren Bandscheibenvorfalls Frührentner. Da lud ihn sein Sohn Tim aus erster Ehe nach Deutschland ein. Backus reiste nach München, besuchte seine Kinder und verliebte sich zum zweiten Mal in seine zweite Frau Heidelore - die 2002 auch die vierte Mrs. Backus wurde.

"Ich bin jetzt Rentner," sagt Backus und genießt die späte Anerkennung seiner ersten Erfolge in den USA - aus berufenem Munde. In einem Rundfunk-Interview wurde Paul McCartney gefragt ob er sich noch an die erste Zeit mit John Lennon erinnere: "Oh ja natürlich. Wir waren große Fans der Del Vikings", zitiert Backus den Beatle. Ein Lob, das Backus alleine entgegen nehmen muss. Denn er ist der letzte Überlebende des Quintetts.