„Nur der Mann im Mond schaut zu“ – und schätzungsweise noch 600 weitere Menschen machten mit, als Rita Mohlau mit ihrem Gebärdensprachchor Sign Singers in der Samstagnacht auf dem Tübinger Marktplatz das Wiegenlied „La Le Lu“ in  Zeichensprache übersetzte. Daumen und Zeigefinger bilden den Buchstaben L, dann greift die Hand wie nach einer Hutkrempe an die Schläfe, und die Finger formen eine Mondsichel – das ist der Mann im Mond. Das Trio „Come Sunday“ sang das so populäre Gute-Nacht-Lied, hoch oben auf dem Baugerüst des Rathauses. Und auf dem Neptunbrunnenstanden die Sign Singers und ließen die Hände dazu tanzen – unter ihnen war der Platz voller Menschen, die es ihnen gleich taten. Das dürfte gewiss ein Weltrekord gewesen sein.

Die Idee dazu hatte Felix Schmidt, der die „6. Tübinger Kulturnacht“ mit rund 140 Veranstaltungen am Samstag organisiert hatte. Er ist begeistert von der Ästhetik der Zeichensprache, „eine große Kunstform“ sei sie. Das besondere Mitmach-Konzert sollte aber auch ein  Zeichen dafür sein, Beeinträchtigungen nicht als Manko, sondern als Stärke zu sehen: die Gebärdensprache als gleichwertige Fremdsprache. Zeigen, „wie schön diese Sprache ist, und dass sie jeder lernen kann“ – das dürfte auch der Gebärdendolmetscherin Rita Mohlau gelungen sein.  Sie leitet den Sign Singers-Chor, der im  vergangenen Jahr aus einem einwöchigen Sommerkurs der Volkshochschule entstanden ist und zu dem mittlerweile zwölf Sängerinnen gehören.

Mit Hilfe des Chors will Mohlau tauben Menschen ermöglichen, Konzerte mitzuerleben und ihnen einen Eindruck davon vermitteln, was hörende Menschen an Musik so begeistert. Mohlau selbst ist als Tochter tauber Eltern mit der deutschen Laut- und der Gebärdensprache zweisprachig aufgewachsen.

Ob das Konzert tatsächlich offiziell als erster Rekord dieser Art eingetragen wird, ist noch ungewiss. Schmidt hatte einen Antrag an den Guiness-Verlag gestellt – dieser ist jedoch bislang unbeantwortet geblieben. Aber der Organisator ist sich sicher: „Es ist definitiv ein Weltrekord.“