Ulmer Zelt Meret Becker als Märchenfee, Kind, Grande Dame

Akrobatisch: Meret Becker im Zelt.
Akrobatisch: Meret Becker im Zelt. © Foto: Daniel M. Grafberger
Ulm / Elvira Lauscher 25.06.2018

Varieté, Cabaret, Zirkus, Märchen­abend, Konzert? Schauspielerin und „Tatort“-Kommissarin Meret Becker bietet am Samstag im Ulmer Zelt mit fünf Musikern der Formation The Tiny Teeth und dem Programm „Le Grand Ordinaire Tour 2018“ Großartiges, ganz und gar nicht Gewöhnliches.

Als Märchenfee, verträumtes Kind, Lady und Grande Dame betritt sie die Bühne im weißen Tüllkleid mit Schleier und engem Body. Ganz in sich, den Klang des überdimensionierten Cognac­schwenkers, dem sie mit dem Finger Töne entlockt, und ihre Stimme versunken. Und doch präsent. Becker erweist sich als Künstlerin durch und durch. Nichts ist vorhersehbar oder in eine Schublade zu stecken. „Was ich habe, will ich nicht verlieren, aber wo ich bin, will ich nicht bleiben.“

Wenig später verliert sie sich in ihrer singenden Säge und dem einzigartigen Klangteppich, den die fünf Chorsänger und Musiker aus Schlag- und Blasinstrumenten, Akkordeon, Klavier und Glasharfe legen. Merets Stimme wird – mal piepsend, mal guttural, lasziv, marktschreierisch laut oder mit Sprachrohr verstärkt – zum ganz eigenen Instrument.

Das Multitalent erzählt und singt skurrile Geschichten von Liebenden, Vagabundierenden, vom weißen Hasen Harvey, und von einer Bauchrednerin, die verstummt, weil sie auf der Bühne ihr erstes Kind auf die Welt brachte. Skurril und doch berührend und poetisch, weil die Geschichten, der Wechsel von Merets unglaublich vielseitigem Stimmteppich, ihr Ausdruck und die kongeniale musikalische Unterstützung der Band sich einbrennen und als innere Bilder mit nach Hause genommen werden.

Und dazwischen immer wieder dieser feinsinnige Humor, der – genau richtig dosiert dargeboten – schmunzeln lässt. Wie bei der Piaf-Interpretation von „La Vie En Rose“, bei der Meret Becker mit Zigarette, weißem Pelzmantel und einem Luftsprünge machenden Luftballonmops das Lied nicht nur stimmlich, sondern auch gurgelnd interpretiert.

Dass die mehrere Instrumente spielende 49-jährige Künstlerin auch noch akrobatische Fähigkeiten und eine beeindruckende Körperbeherrschung hat, zeigt sie bei einer Darbietung im Ring, bei der sie grazil über den Zuschauern im Zelt schwebt – und dazu noch singt. Nach knapp zwei Stunden zeigen die etwa 300 Zuschauer, was sie von diesem Paralleluniversum halten: mit Standing Ovations.

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