„Wer reinkommt, ist drin“, heißt die erste Folge von „Kir Royal“. Der Klatschreporter Baby Schimmerlos und die Münchner Schickeria – eine wunderbare TV-Satire Helmut Dietls aus den 80ern. Wer aber tatsächlich bestimmte, wer reinkommt ins Blatt, war Verlegerin Friederike von Unruh, gespielt von Ruth Maria Kubitschek: Sie musste natürlich auch ans Geschäft denken, die Auflage, und zuweilen ärgerte sie sich maßlos über ihre Redaktion – hielt ihrem „Baby“ aber immer den Rücken frei.
Die Münchner „Abendzeitung“ war gemeint – und als Vorbild Anneliese Friedmann, diese große, noble Zeitungsfrau im Nachkriegsdeutschland, die weit mehr draufhatte als Boulevard. Wie es wirklich gewesen war? Auf jeden Fall schillernd. „Der Oberbürgermeister von München, Hans-Jochen Vogel, kam manchmal zum Kaffeetrinken zu mir rüber in die Sendlinger Straße. Er klagte über die Linken bei ihm im Stadtrat und ich klagte über die Linken bei mir in der Redaktion“, erzählte sie einmal.
Die 1927 in Kirchseeon geborene Journalistin, die Kunstgeschichte und Theaterkritik studiert hatte, bei der „SZ“ volontierte, war tonangebend für die moderne Frau der 1960er Jahre: als freche Kolumnistin des „Stern“ unter dem Pseudonym Sibylle. Aber als ihr Mann Werner Friedmann 1969 starb, Verleger der „Abendzeitung“ und Gesellschafter der „Süddeutschen Zeitung“, übernahm sie mit Verve dessen Aufgaben. Sie hat sich als Verlegerin alten Schlags verstanden: „Journalismus hat mit Leidenschaft zu tun. Journalist ist man mit Leib und Seele oder man wird gar nicht erfolgreich“, sagte sie in einem Interview dem „Manager Magazin“, als sie 2013 mit dem „Henri-Nannen-Preis“ für ihr Lebenswerk geehrt wurde.
Als „La Friedmann“ wurde sie verehrt, sie hat die Kulturszene geliebt, in ihrem Haus geradezu einen Salon geführt, Autoren, Schauspieler, Intendanten eingeladen. Die klassische Verlegerkultur. Jetzt ist Anneliese Friedmann im Alter von 93 Jahren in München gestorben.