HipHop Marteria jubelt: „Das ist der Himmel, Stuttgart!“

Stuttgart / Claudia Reicherter 08.12.2017

Im 19. Jahr seiner popmusikalischen Existenz verknüpft der gerade 35 gewordene Marten Laciny eine US-Ufo-Hochburg mit seiner Heimatstadt Rostock. Auf „Roswell“-Tour zeigt sich der Mann mit dem Rapper-Namen Marteria in Höchstform: Mehr als zwei Stunden steht er in Stuttgart auf der Bühne – vor 10 000 Leuten, wie er immer wieder fassungslos wiederholt. Vor etwas mehr als 1000 hatte er dort einst im heute geschlossenen Zapata begonnen. Seitdem ist er Vater geworden und um die Welt gereist, hat ein Nierenversagen überlebt, Alkohol und Dope abgeschworen – und verkauft nun Clubshows in Sekundenschnelle aus. Eins aber ist gleich geblieben: das Lächeln, um das Marten alias Marteria seit 1998 den deutschen Rap bereichert.

Das blitzt auch beim vielfältigen und äußerst kurzweiligen, von der Porsche-Arena in die fast ausverkaufte Schleyerhalle hochverlegten Konzert zwischen „Ros­well“, „Aliens“, dem Party-Kracher „Scotty“, einem düsteren „Blue Marlin“ und älteren Hits, zwischen genretypischen „Gib mit ein Yo!“- und „HipHop-Hände hoch!“-Rufen immer wieder durch. Die Fans hüpfen sogar auf den Rängen von Anfang an mit, was Marteria nach „OMG“ zur Einschätzung bewegt, „das hier heute Abend, das ist der Himmel, Stuttgart!“. Immer wieder fragt der Mann, der den Rap spätestens 2010 mit Ehrlichkeit, Eleganz und Natürlichkeit wohnzimmertauglich machte, ob die Fans das überhaupt hören wollen.

Auf den traditionellen Gastauftritt seines Noise-Alter-Egos Marsimoto mit dessen neuem Track „Chicken Terror“ folgen Marterias Nummer-1-Hits: „Kids“, Co-Rapper Pete Boatengs Variation auf „Lila Wolken“ und das optimistische „Welt der Wunder“. Zu „Feuer“ heizen wie schon auf der vorigen Tour Pyro-Fontänen die Atmosphäre in der tobenden Halle weiter auf. Und während des ausgedehnten Schluss-Rituals von Live-Gitarrist Kid Simius’ „letzten 20 Sekunden“ stürzt sich Marteria lustvoll in die Menge.

Info Für Marterias „Roswell“-Konzerte am 13.3. in Mannheim und am 16.3. in Neu-Ulm gibt es noch Karten.

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