Prosa Marco Kerler liest aus „Jedermann stirbt“

Ulm / Christine Langer 20.02.2018

In nur zehn Tagen war der Prosa-Erstling entstanden, im vergangenen Jahr während der „Literaturwoche Donau“. Jetzt ist das Buch „Jedermann stirbt“ gedruckt: Der 1985 in Ulm geborene Marco Kerler las die Premiere bei Fischerins Kleid, einem Laden mit „ökologisch korrekt“ hergestellter Mode im Fischerviertel.

Als erster Ulmer Stadtschreiber hatte Marco Kerler das Lese-Festival  literarisch begleitet. Ursprünglich hatte er ein Langgedicht schreiben wollen, doch wagte er den Sprung zur Prosa. Das vom „Literatursalon Donau“ geförderte Stadtschreiber-Amt soll sich etablieren und regelmäßig weitergeführt werden – in diesem Jahr wird die in der Nähe von Stuttgart lebende Autorin Sudabeh Mohafez eingeladen, die Ulmer Literaturwoche mit Stift und Papier zu begleiten.

Gewidmet hat Kerler seinen Band dem (nicht mehr existierenden) Ulmer Café „Jedermann“. Viele Ulmer Bezüge sind in dem Buch jedoch nicht zu finden. Der Erzähler, ein Eigenbrötler und Einzelgänger, schildert fünf Tage einer Woche. Gleich den Montag legt er als Sonntag fest und beschließt, nicht arbeiten zu gehen. In seinem Lieblingscafé verliebt er sich in die Bedienung Heike, die ihn so sehr durcheinanderbringt, dass er seinen Kaffee verschüttet. Er verlässt das Café, und anstatt die Rechnung zu bezahlen, lässt er einen Zettel mit seiner Telefonnummer auf dem Tisch . . .

Manches bleibt beliebig

Gewissensbisse und Verfolgungswahn wechseln sich ab, bis er begreift, dass er „in den Spiegel blicken“ muss. Diese Erkenntnis böte einerseits inneren Spielraum, andererseits aber auch die Möglichkeit, das große Thema „Identität“ spannungsreich zu gestalten: die Beziehungen zur Außenwelt, die Verstrickungen im inneren Selbst, der Wunsch, Grenzen zu überwinden, die geistigen Reibungsflächen, die Antriebskräfte.

Bei Kerler bleibt manches beliebig; die innere Zerrissenheit des Protagonisten kommt nur oberflächlich zum Vorschein: „Er ist versucht, ihr den Christian zu geben, hat aber schon die andere Identität angenommen, ist nun Martin, obwohl er es nicht ist.“ Aber vermutlich will Kerlers Prosa unverbindlich bleiben; der Protagonist im „ganzen Haufen Welt“?

Musikalisch umrahmt wurde die Lesung von den Sängerinnen-Schwestern Viona und Lucia Mast: ein kurzweiliger Abend in sympathischem Ambiente. Das Buch mit Illustrationen von Florian L. Arnold (57 Seiten, 10 Euro) ist in der Edition Literatursalon Donau erschienen und in der Buchhandlung Aegis erhältlich.

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