Festival Maifeld Derby: Top-Bands und mehr in Mannheim

MANNHEIM / Udo Eberl 20.06.2018
Beim Maifeld Derby konnten 15.000 Besucher spannende Bands erleben, in Mannheim dreht sich aber viel mehr um die Musik.

Als The Kills bei ihrem exklusiven Festival-Auftritt in Deutschland auf die Bühne kamen, da rockte die Sängerin Alison Mosshart im voll besetzten Zelt des Maifeld Derbys den letzten Zweifel weg, ob man sich doch besser das WM-Spiel des deutschen Teams anschauen sollte. Die Briten spielten ihren frischen Rock, als gäbe es kein Morgen. Ähnlich ging es auf dem Areal am Mannheimer Reitstadion mit den supercoolen Rock-Helden Black Rebel Motorcycle Club weiter, und die Eels mit Frontmann Mark Oliver Everett sorgten für den krönenden Abschluss.

Auch Nils Frahm füllt weltweit alle Konzertsäle und Kirchen. 2012 hatte der Tastenmagier vor kleinerem Publikum im Reitstadion gespielt, nun verzauberte er im randvollen Zelt mit atmosphärischen Sounds. Die Mischung macht’s beim Maifeld Derby, auch knallharter Metal wurde von den legendären Neurosis geboten, fand aber hier im eher sanfter getakteten Festival-Paradies keinen idealen Nährboden vor.

Seit 2014 darf sich die Stadt „Unesco City of Music“ nennen, die Verzahnung von Musikbusiness, Startups und Kunst ist gelungen. Die Popakademie Baden-Württemberg und der nahe Musikpark Mannheim sind seit 14 Jahren Motoren dieser Bewegung.

Technologie und Kultur vereinen

Angestoßen hatte diese kulturelle Entwicklung der einstige Kulturdezernent Peter Kurz,  heute Oberbürgermeister der Stadt Mannheim, mit Weitsicht und vollster Überzeugung – auch in diesem Jahr war er Gast beim Maifeld Derby. Seit einem Jahr will nun das so genannte „Startup Mannheim“, eine Tochtergesellschaft der Stadt, viele Aktivitäten zwischen Technologie und Kultur bündeln und noch mehr junge Gründer und Kreative nach Mannheim locken.

„Hier geht es auch darum, die Un-Orte in unserer Stadt mit künstlerischem Leben zu füllen und sie in der Wahrnehmung hin zum kreativen Freiraum umzucodieren“, betont Matthias Rauch, der Leiter der kulturellen Stadtentwicklung, der für das Maifeld Derby anfangs Pressearbeit machte und aus Karlsruhe kommend die Entwicklung der vergangenen 20 Jahre miterleben konnte. „Mannheim wird inzwischen als wichtige und vitale Musikstadt wahrgenommen. Hier finden junge Leute vergleichbar günstige Mietpreise und eine entspannte Proberaum-Situation vor, und wir stellen die Weichen, dass dies so bleibt.“

Ein im achten Jahr bestens funktionierendes Erfolgsbeispiel des Mannheimer Modells ist das Maifeld Derby. Rasch ist es zu einem der beliebtesten Festivals im Independent-Bereich geworden. Der Popakademie-Absolvent Timo Kumpf hat es auf die Beine gestellt – sein erstes Büro hatte Kumpf, der nebenberuflich auch als Bassist der Band Get Well Soon auf der Bühne steht, natürlich im Mannheimer Musikpark.

Ausgezeichnetes Booking

Sein Herzensprojekt Maifeld Derby gewann im vergangenen Jahr den „Helga“-Festivalaward in der Kategorie „Feinstes Booking“. Von diesem  konnten sich auch in diesem Jahr wieder gut 15.000 Besucher überzeugen. Die so genannten Headliner überzeugten voll und ganz. Besonders die englischen Editors boten eine Show der Extraklasse, und Sänger Tom Smith überzeugte mit großartiger Stimme und einer fantastischen Bühnenpräsenz.

Für die australische Pop-Lady Kat Frankie wurde ihr Mittagskonzert zum gefeierten Heimspiel. Wenig später sorgten die Schotten Young Fathers, die zur Live-Crew von Massive Attack gehören, für eine wahrhaft furiose Show im musikalischen Niemandsland zwischen Hip- und Triphop, Dub und Elektro.

Und da waren ja noch die gefeierten The Wombats, der Elektronik-Monolith Jon Hopkins, die Psychedelic-Rocker Chocolat oder Emirsian mit armenischen Liedern. Party-Power gab’s mit Tank and the Bangas oder Kid Simius genauso wie überraschend Ausgetüfteltes von der Violinistin Sudan Archives oder den famos aufspielenden Österreichern 5K HD, die den Preis für den besten Sound des Festivals hätten gewinnen müssen.

70 Bands und Künstler, vier Bühnen, wie immer faire Preise und die „Steckenpferd Dressur“ – und am Ende ein „wahnsinnig stolzer“ Veranstalter Timo Kumpf. Einmal mehr hatte alles dank seines Teams wie am Schnürchen geklappt. Nach den geplanten Auftrittszeiten kann man beim Maifeld Derby nämlich auch die Uhr stellen.

Talente aus der ganzen Republik

Mannheimer Modell 2004 wurde der Musikpark als bundesweit erstes Startup-Center für das Musikgeschäft eröffnet. Das Mannheimer Modell besteht aus Popakademie, Beauftragtem für Musik- und Popkultur, Clustermanagement Musikwirtschaft und Musikpark.

Popakademie Die Popakademie feiert in diesem Jahr mit hochkarätigen Veranstaltungen ihr 15-jähriges Bestehen. Aus der ganzen Republik kommen junge Talente, um Popstar zu werden. Die Popakademie schuf erstmals in Deutschland die Möglichkeit, mit akademischem Anspruch die Bereiche Popularmusik und Musikwirtschaft auszubilden. Und das mit Erfolg: Zahlreiche Künstler wie Alice Merton, Max Giesinger & Band, Chris Cronauer, Get Well Soon und Wallis Bird studierten dort und legten in Mannheim den Grundstein für ihre Karriere.

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