Auf vielfältige Weise können Luther und Bach miteinander in Verbindung gebracht werden. Da ist die deutsche Sprache, die durch Luther in den Gottesdiensten Einzug gehalten und die Grundlage für viele Oratorien und Kantaten Bachs gebildet hat. Da sind die Texte und Melodien, die uns Luther in seinen Chorälen hinterlassen und die der Thomaskantor aufgegriffen hat.

Für Petrus-Kantor Oliver Scheffels Grund genug, ein Konzert unter dem Motto „Luther und Bach“ im Reformations-Jubiläums-Jahr auf die Beine zu stellen. Gemeinsam mit dem Collegium musicum Ulm, der St. Veitskantorei Leip­heim, dem Petrus-Chor Neu-Ulm und weiteren Instrumentalisten und Gesangssolisten erklangen drei festliche Werke Bachs in der gut besuchten Petruskirche.

Das Hauptwerk, das „Osterora­torium“, handelt von der Unsicherheit bis zur Gewissheit der Auferstehung Christi in einer höchst bildhaften Darstellung und komplexen kontrapunktischen Komposition. Entsprechend dämpfte der stets präzise arbeitende Scheffels das Tempo anfangs in den Arien und Rezitativen, zügelte die Begleitung, zog die Bögen über die ganzen Sätze und verordnete Berenike Beitzel (Sopran), Annette Küttenbaum (Alt), Burkhard Solle (Tenor) und Florian Dengler (Bass) eine eher schüchterne Emphase. Alle Solisten sangen wortverständlich und in ihren Rollen als Maria Jacobi, Maria Magdalena, Petrus und Johannes überzeugend. Erst im Schlusschor setzte sich der Jubel über den Sieg des Lebens mit Trompeten und Pauken durch.

Feierliche Gestaltung

Ebenso zeichnet sich Bachs Kantate „Eine feste Burg ist unser Gott“, die für das Reformationsfest 1723 komponiert wurde, durch große Abwechslung aus. Die Kantate baut sich über die vier Strophen von Luthers berühmtem Choral auf, die bis auf eine Ausnahme (der zweiten, vom Sopran gesungenen Strophe) vom Chor vorgetragen werden.

In den Rezitativen und Arien wechseln in beiden Werken nicht nur die Solisten, auch die Instrumentalbesetzung wechselt. So treten einmal nur eine Violine, ein Cello, eine Kontrabass, eine Oboe und das Continuo auf, ein andermal eine kleine Besetzung mit zwei Blockflöten. In der Aria der Maria Jacobi konzertierten gar Eduard Sonderegger (Violine) und Berenike Beitzel auf ganz zauberhafte Weise.

Ebenso feierlich gestaltete sich das zwischen beide Werke geschobene Kyrie aus der „Missa in g“. Ein genussvoller Konzert­abend mit zwar etwas verzögertem, aber um so frenetischerem Applaus für alle Beteiligten.