Roman Love-Story für Musiker und andere

: Das schönste Mädchen der Welt. Blanvalet, 352 Seiten, 20 Euro.
: Das schönste Mädchen der Welt. Blanvalet, 352 Seiten, 20 Euro. © Foto: Blanvalet
München / Helmut Pusch 30.06.2018

Am 21. April 2016 starb Prince, eines der größten Genies der Popmusik, in seinem Paisley Park Studio in Minneapolis. Ein Schock für seine Fans. Zu denen gehört auch der dänische Autor Michel Birbaek. Der hatte sich eigentlich nach seinem fünften Roman geschworen, künftig die Finger von der langen Form zu lassen und nur noch als Kolumnist, Drehbuchautor und Gagschreiber fürs deutsche Fernsehen zu arbeiten. 2011 war das. Doch dann starb Prince. Birbaek telefonierte tagelang mit alten Freunden und reiste so in seine eigene Vergangenheit. Der Autor, der selbst 15 Jahre lang als Sänger mit Bands unterwegs war und unter anderem seinem Idol nacheiferte, schrieb seine Gefühle auf und ahnte schon bald: Das wird ein Roman.

„Das schönste Mädchen der Welt“ heißt der, angelehnt an eine der schönsten Prince-Balladen. Er geriet zu einer Hommage an den Weltstar und zu einer Liebeserklärung an die Musik und jene Menschen, die sie machen: die Musiker.

Trip in die Vergangenheit

Leo Palmers Leben dümpelt vor sich hin. Seine Brötchen verdient der ehemals erfolgreiche Backgroundsänger, der mit diversen Stars unterwegs war, in seinem Tonstudio in Montabaur mit der Aufnahme von Hörspiel-Softpornos und Lehr-CDs. Nachdem er vor Jahren seine große Liebe verloren hat, scheut der Womanizer feste Bindungen, verabredet sich via Tinder mit wechselnden Partnerinnen. Bis er bei einem solchen Date auf Mona trifft. Obwohl die Bedingungen klar sind – keine feste Bindung, keine Telefonnummer – treffen sich die beiden ein zweites Mal. Mitten in diesem Date erreicht Leo die Nachricht, dass sein Idol Prince gestorben ist.

Überbringer der Nachricht ist Olli, der Sänger von Leos alter Band, der schon lange Probleme mit Drogen und Alkohol hat und labil genug ist, dass sich Leo jetzt Sorgen um ihn machen muss. Leo weiß: Er muss zurück in seine Heimatstadt, sich um seinen Freund kümmern – und so reist auch er in die eigene Vergangenheit. Doch Leo ist nicht der einzige, der sich um Olli sorgt. Fast die komplette alte Band trifft sich dort, trauert um Prince und schwelgt in Erinnerungen.

Und die sind es, die Birbaeks sechsten Roman so heimelig machen. Denn in diesen Erinnerungen lebt eine Zeit auf, in der Musik noch nicht zur Mp3-Kulisse verkommen ist, in der es noch Bands gab, die von Halle zu Halle, von Disco zu Disco zogen, in der ein Konzert noch einen eigenen Stellenwert besaß, in der Leute wie Leo die musikalische Qualität über alles stellten, sich von der Musik warmhalten ließen. Leos Problem:  Die Drummerin der Band ist seine Ex-Frau, die Liebe seines Lebens, mit der er seit ihrer Scheidung vor mehr als 20 Jahren kein Wort mehr gewechselt hat und die ihn nun auf die Hochzeit ihres Sohnes einlädt.

Das alles erzählt Michel Birbaek mit leichter Hand, aber nicht ohne Tiefgang, mit viel Wärme und viel Zuneigung für die Menschen, die ihr Leben der Musik gewidmet haben. Ein Liebesroman für Musiker, aber nicht nur für sie.

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