Schorndorf Lloyd Cole mit Charme in der Manufaktur

Schorndorf / ULRICH RÜDENAUER 10.12.2013

Es gehört zu den liebenswerten Eigenschaften angenehmer Menschen, dass sie ihr Unbehagen an der Welt und am Zustand ihres Daseins in selbstironische Sätze zu kleiden verstehen, durch die sanft so etwas wie Melancholie schimmert. Es sei ja sehr intim hier, sagte Lloyd Cole in der durchaus nicht ausverkauften Schorndorfer Manufaktur. Ganz trocken fügte er hinzu: "Beträchtlich mehr Intimität, als ich einmal erwartet hätte."

Vielleicht muss man ein lakonischer Brite sein wie Lloyd Cole, um dem Umstand, inzwischen vor eher kleinem Publikum aufzutreten, mit so viel Charme zu begegnen. Den hintergründigen Witz seiner Zwischenansagen findet man auch in den Liedern des Songwriters, der in den 80ern mit den Commotions eine veritable Karriere vor sich hatte, die seit den 90ern eher dezent dahintrudelt.

Was nicht an seinen tollen Stücken liegen kann, die noch immer - wie sein neues Album "Standards" beweist - musikalisch und lyrisch inmitten des magischen Dreiecks Bob Dylan, Lou Reed und Leonhard Cohen angesiedelt sind. Auf seiner Solotour kann man die Einflüsse fein heraushören, aber eben auch deutlich Coles eigenen Ton, der von der legendären ersten Platte "Rattlesnakes" (1984) an präsent war. Der 52-jährige, mit Alter und Tour-Müdigkeit kokettierende Cole spielte Stücke aus den vergangenen drei Jahrzehnten.

Der Nordengländer Cole, der seit Ewigkeiten in New York lebt, ist nicht nur ein begnadeter Geschichtenerzähler und Liedermacher, sondern außerdem ein Gentleman, der sich respektvoll vor seinen Hausgöttern verneigt. Und dem Publikum im Vorbeigehen eine Lektion in Nonchalance erteilt. Auch wenn er vielleicht lieber auf einer größeren Bühne stehen und seine wunderbaren Songs mit einer Band darbieten würde - die Intimität des Konzerts bescherte zumindest den Zuhörern einen erinnerungswürdigen Abend.