Der Mann hat Fantasie. Und davon jede Menge. Weil das so ist, hat der britische Autor Ben Aaronovitch nicht nur einige Folgen der TV-Serie „Doctor Who“ geschrieben, er ist auch ein echter Bestsellserautor mit seinen Fantasy-Romanen um den britischen Polizisten Peter Grant. Dieser Peter Grant ist ein Zauberlehrling in einer speziellen magischen Einheit der Polizei und nutzt seine ungewöhnlichen Fähigkeiten für die Aufklärung von Mordfällen, in denen Magie eine Rolle spielt. Außerdem muss er sich mit den Göttinnen der Londoner Flüsse herumschlagen, die ziemlich mächtig und ziemlich zickig sind – mit einer ist Peter Grant liiert, was ihm aber auch nicht immer hilft.

Einen eigenen Ermittler ausgedacht

Jetzt kommt Aaronovitch nach Deutschland – nicht nur auf Lesereise, die ihn an diesem Donnerstag in Ulm bei Hugendubel Station machen lässt, sondern auch mit seinem neuen Roman: „Der Oktobermann“ spielt nämlich in Trier. Und dort ermittelt kein Peter Grant. Für Deutschland hat sich Ben Aaronovitch einen eigenen Ermittler ausgedacht: Tobi Winter heißt er, ist in etwa auf dem gleichen Ausbildungsstand wie der Londoner Zauberlehrling und arbeitet beim Bundeskriminalamt für die Abteilung KDA. Das steht für komplexe und diffuse Angelegenheiten. Und diese Truppe, die nur aus Tobi und seiner Chefin besteht, kümmert sich um alles, was auch nur den Hauch von Vestigia hat.

Isaac Newton als Gründer

Das ist der Fachbegriff für das, was nach einer magischen Handlung zurückbleibt. Die Wissenschaft davon hat kein Geringerer als Isaac Newton begründet, verfeinert hat sie im 19. Jahrhundert die Weimarer Akademie, spinntisiert Aaronovitch munter drauflos. Beim BKA klingt das natürlich nüchterner: Umkreismagie-Erfassung, heißt dieses Magie-Schnuppern in der Abteilung KDA. Dieses technokratische Wortungetüm ist sicher ein Verdienst von Übersetzerin Christine Blum.

Dieser Tobi Winter wird in „Der Oktobermann“ aus dem Urlaub zurückgeholt, weil in der Nähe von Trier ein Toter gefunden wurde, dessen Zustand die Polizisten vor Ort verunsichert. Der Körper des Manns ist mit einer dicken Schicht des Schimmelpilzes Botrytis cinerea bedeckt. Das ist jener Pilz, der beim Wein zur Edelfäule führt, die man zur Herstellung von Trockenbeerenauslesen braucht. Und wie sich herausstellt, war der Tote den Weinen rund um Trier nicht abgeneigt, sondern Mitglied in einem Club, zu dessen Mitgliedern eine Gruppe von Männern mittleren Alters gehören, die sich wöchentlich treffen, um guten Wein zu genießen und die Kultur und Kunst Triers zu erleben.

Auch das nächste Opfer kommt aus dem Umfeld dieses Clubs. Und welche Rolle spielt die Winzerin Jacky Stracker, deren Familie eine sehr lange Geschichte im Trierer Weinbau hat? Natürlich taucht auch die Flussgöttin der Kyll, das ist ein Nebenfluss der Mosel, auf, die vor Jahrzehnten eine Beziehung mit einem Sterblichen eingegangen war, dem Urahn der Winzerin. Und was ist eigentlich mit der Flussgöttin der Mosel passiert?

Das alles erzählt Aaronovitch mit viel Humor, der aber nicht platt daherkommt, sondern etwas von einem abgeklärtem Insider-Duktus hat, dem man einfach abnimmt, dass der Erzähler sehr wohl weiß, wovon er spricht.

Fantasy-Fans kommen bis aus München


Ben Aaronovitch stellt an diesem Donnerstag, 20.30 Uhr, sein neues Buch in der Buchhandlung Hugendubel vor. Die deutschen Texte liest Uve Teschner, der den Abend auch moderiert.  Die Karten dürften knapp werden, die Hälfte der rund 100 Tickets sind schon verkauft. Zur Lesung reisen auch Aaronovitch-Fans aus München an. Dort gastiert der Autor an diesem Freitag, und diese Veranstaltung ist ausverkauft. Die Ulmer Abendkasse öffnet um 20 Uhr.