Fernsehen „Game of Thrones“ als Live-Konzert

Magdi Aboul-Kheir 23.12.2017
Die Fantasy-Serie „Game of Thrones“ ist ein Welterfolg. Der Soundtrack stammt von dem Deutschen Ramin Djawadi.

Da-da dam dam. Immer wieder dieses Vier-Noten-Motiv. Da-da dam dam, da-da dam dam. Dazu ein Trommelrhythmus, schließlich spielt das Cello das Hauptthema. So beginnt in der Stuttgarter Liederhalle „The Music of Game of Thrones“. Ein Prager Sinfonieorchester ist mit Dirigent Franz Bader und dem Chor der Universität Augsburg derzeit in deutschen Konzerthallen unterwegs – nicht zu verwechseln mit dem Event „The Game of Thrones Live Music Experience“, das mit Komponist Ramin Dja­wadi im Frühjahr nach Europa kommt und die großen Hallen und Arenen füllen wird.

Liederhalle klingt aber auch wie ein passender Ort. Denn es ist George R. R. Martins Roman-­Zyklus „Das Lied von Eis und Feuer“, auf dem die TV-Adaption „Game of Thrones“ basiert. Die Fernsehserie begeistert seit 2011 Fantasy-Fans auf der ganzen Welt.

Eine schaurig-süffige Saga

„Game of Thrones“ ist ein kolossales Sitten- und Schlachtenepos, in dem zwischen Nibelungenlied, Shakespeare und Tolkien derart gefochten und gemeuchelt, gerammelt und gerungen, gekrönt und geköpft wird, dass es eine fürchterliche Freude ist. Eine schaurig-süffige Saga, in der viel blaues Blut und andere Säfte fließen, in der Fragen von Macht und Moral, Politik und Religion, Eros und Gewalt verhandelt werden. Ein gewaltiger, gewalttätiger Welten-Entwurf, fiese Könige und nicht ganz so fiese Zwerge, feuerspuckende Drachen und inzestuöse Intriganten inklusive.

Die Serie ist die erfolgreichste Schöpfung des US-Senders HBO, die Einschaltquoten sind hervorragend (die Fans schauen die Staffeln am liebsten gleich am Stück), die Kritiker überwiegend begeistert. Auch mit Preisen wird „Game of Thrones“ überschüttet: 38 Emmys hat die Produktion bereits gewonnen, dabei wurde sie auch mehrfach als beste TV-Serie ausgezeichnet. Der popkulturelle Einfluss ist enorm, Darsteller wie Emilia Clarke und Peter Dinklage sind jetzt Stars.

An dem Welterfolg haben auch einige Deutsche Anteil. Die Schauspielerin Sibel Kekilli erregte als Prostituierte Shae 20 Folgen lang Aufsehen. Von den Studios Pixomondo in Frankfurt und Mackevision in Stuttgart stammen Drachen und andere visuelle Effekte der Serie. Und dann ist da eben die Musik, die aus der Feder Ramin Djawadis stammt.

Djawadi, 1974 als Sohn eines Iraners und einer Deutschen in Duisburg geboren, wurde von seinen Eltern früh musikalisch gefördert, spielte als Teenager in einer Band Gitarre – wusste aber auch schon bald, dass er Filmmusik schreiben wollte. Nach dem Abitur studierte er am Berklee College of Music in Boston und heuerte dann in Hans Zimmers Hollywood-Soundtrack-Schmiede Remote Control an.

Dort lernte er als Assistent alle Seiten des Filmmusik-Gewerbes kennen (etwa bei „Fluch der Karibik“) und bekam im Lauf der Zeit immer größere eigene Aufträge. Er vertonte die erfolgreiche Fernsehserie „Prison Break“ (2005-2009) und mit „Iron Man“ 2008 seinen ersten Blockbuster. Seitdem ist er gleichermaßen im Kino („Pacific Rim“, „Warcraft“, „The Great Wall“) wie im Fernsehen („Person of Interest“, „Westworld“) im Geschäft. Natürlich nicht zuletzt durch den internationalen Hit „Game of Thrones“, dessen Klang er von Anfang an, also seit sechs Jahren, prägt. Djawadi mag es, fürs Fernsehen zu schreiben, weil Handlungsbögen dort manchmal über zehn Stunden entwickelt werden.

„Winter is coming“: Nein, Dirigent Franz Bader spricht in der Liederhalle nicht nur über das Wetter, sondern spielt auf das Motto des Hauses Stark aus „Game of Thrones“ an – was die knapp 1000 Zuhörer mit einem wissenden Lacher goutieren. Wacker spielen sich die tschechischen Musiker dann durch die Fernsehkompositionen.

 Djawadi setzt auf einen kernigen, dunklen Orchesterklang, Chor und ethnische Instrumente, dabei sind seine Stücke aber von einer popmusikalischen Ästhetik geprägt. Im Fall von „Game of Thrones“, erklärte er einmal, sollte die Musik angesichts der vielen Charaktere und der komplexen Handlung nicht noch weiter verwirren. „Es macht Spaß, dieses fast schon mathematische Problem der sich stetig verzweigenden Handlungsstränge zu lösen“, sagte er der „FAZ“.

Von Anfang an lautete die Losung, nicht zuletzt der Produzenten: „Kein Herr-der-Ringe-Sound und bitte keine mittelalterlichen Flöten!“. Dafür setzt Djawadi auf das Cello mit seiner markant-sonoren Hell-Dunkel-Wirkung, auch auf Solo-Vokalisen und auf vielfältige Weltmusik von Taiko-­Trommeln bis zur Bordunzither. Manche Klänge sind dabei einzelnen Geschöpfen oder Familien der Saga spezifisch zugeordnet: die Glasharmonika den Weißen Wanderern, die Duduk den Dothrakis, Cello und Geige den Starks und Lannisters.

Eine Taiko-Trommel steht auch in der Liederhalle auf der Bühne. Ansonsten hat Franz Bader die Musik so arrangiert, dass sie ohne allzu großen instrumentalen Extra-­Aufwand spielbar ist.

Prägnanz und Atmosphäre

Melodisch, harmonisch, rhythmisch sind die Kompositionen ohnehin meist einfach gestrickt: Es geht nicht um kontrapunktische Komplexität oder akademische Ambition, sondern um Prägnanz, Spannung, Atmosphäre.

Das berühmt gewordene Hauptthema ist Ramin Djawadi übrigens seinerzeit im Auto eingefallen: Nachdem er zum ersten Mal die Bilder des Vorspanns gesehen hatte, summte er es, als er zu seinem Studio zurückfuhr. Nach dem Konzert summen es auch die zufriedenen Zuhörer auf dem Nachhauseweg. Da-da dam dam, da-da dam dam.

Live-Musik zum Film

Arenen-Show Die aufwendige „Game of Thrones Live Concert Experience“ tourt mit Komponist Ramin Djawadi im Frühjahr durch Europa. Am 4. Juni gastiert sie in der Münchner Olympia­halle, am 7. Juni in der Frankfurter Festhalle.

Event-Filme Immer mehr moderne Filmklassiker und Blockbuster sind mit live gespielter Orchester-Begleitung in Arenen und Konzerthallen zu erleben. In der Stuttgarter Liederhalle ist am 5. Januar der zweite Teil der Potter-­Reihe, „Harry Potter und die Kammer des Schreckens“, und am 25. Februar Disneys „Die Eiskönigin“ zu sehen und zu hören. Am 31. März und am 1. April steht erstmals „Star Wars“ mit Live-Musik in Stuttgart auf dem Programm.