Liebeserklärung an einen See in Österreich

Ben Becker singt eigene Lieder und Songs von anderen.
Ben Becker singt eigene Lieder und Songs von anderen.
SIBYLLE U. BURKHARD SCHÄFER 27.10.2012
Ben Becker kommt mit seinem in Hamburg umjubelten Programm "Den See" nach Stuttgart. Im Interview erklärt er, was davon zu erwarten ist.

Ihr neues Programm heißt "Den See". Das klingt ja schon ungewöhnlich. Was verbirgt sich dahinter?

BEN BECKER: Tatsächlich erkundigt sich jeder Veranstalter, ob der Titel korrekt sei. Ich habe ihn extra ausgewählt, weil diese Zusammenstellung eine besondere ästhetische Schönheit für mich ausstrahlt. Es ist eine Hommage und eine Liebeserklärung an einen See in Österreich, an dem sehr viele Ideen für das Programm entstanden sind, hat mit einer großen Liebe, dem Sommer meines Lebens und einer wunderbaren Freundschaft mit einer Familie aus Österreich zu tun. Dazu kommt, dass ich mich jetzt wieder musikalisch äußern wollte.

Wie hat Sie der Zauber des Ortes inspiriert?

BECKER: Der Ort ist wegen seiner Schönheit sowas von unwirklich - das ist schon das eine oder andere Lied wert. Als ich diese Schönheit, die hier möglich ist, erkannte, habe ich meinen Freund Yoyo Röhm angerufen und gesagt: Komm her, du musst das sehen! In einer geilen Aktion haben wir mitten in der Nacht ein Klavier durchs ganze Dorf bugsiert. Anschließend haben wir angefangen zu musizieren. Auch Birgit Minichmayr war dabei und so begannen wir mit dem Liederschreiben. Deswegen sind auch melancholische Lieder dabei, die nach innen schauen.

Was dürfen die Zuhörer von Ihrem neuen Programm erwarten?

BECKER: Diese Emotion, sich selbst in der Kunst über die großen Themen wie Liebe, Glück, Verlust und Tod zu reflektieren, kennt jeder Mensch. Hier lasse ich die Kettensäge im Schrank und mache was anderes. Ich höre sehr gern Balladen, etwa von Iggy Pop oder Motörhead. Großartig finde ich übrigens "God was never on your Side" von Lemmy Kilmister, den ich für einen ganz großen Poeten halte. Ich bin sogar der Meinung, das ist der Bob Dylan unserer Zeit. "Den See" ist ein neues, tiefer gehendes Musikprojekt, von dem ich noch nicht weiß, wo es endet. Ich kann mir vorstellen, dass da irgendwann ein Orchester auf der Bühne sitzen wird. Ich habe angefangen, dran zu arbeiten und würde es gern groß machen, damit es etwas Bewegendes wird. Es ist aber nicht nur melancholisch, es ist auch manchmal fast komisch.

Wer begleitet Sie auf der Tour?

BECKER: Ich habe eine Band dabei, denn das Ganze fängt klein an. Dass ich noch keinen Tonträger habe und ohne CD auf Tour gehe, macht normalerweise kein Veranstalter mit, denn er setzt sich damit eventuell in die Nesseln. Schließlich kostet auch solch ein Projekt viel Kohle. Du musst ja die ganzen Musikinstrumente von A nach B schleifen. Dazu brauchst du Techniker und das ganze Drumherum. Wenn du im Vergleich dazu eine Platte hast und der Veranstalter kann sagen, okay, ich habe das Haus hundertprozentig voll, weil das Zeug läuft auf RTL und überall, erscheint alles viel abgesicherter. Bei mir heißt es lediglich "Ben Becker" und "Den See"-- trotzdem ist es genommen worden. Ich mache diese zehn Konzerte, die ich auch veranstalte, um mich auszuprobieren. Ich will die Songs austesten und in den Pausen zwischen den einzelnen Auftritten was ausprobieren und verbessern.

Info Ben Becker "Den See - Ein Konzertabend", 30. Okt., 20 Uhr, Theaterhaus (am Pragsattel), Stuttgart.

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