Publikation Landesmuseum Stuttgart: Sechs Kilo Wissen zur Kunstkammer

Stuttgart / Bettina Wieselmann 27.10.2017

„Was für ein wunderbarer Abend“, die Freude war Direktorin Cornelia Ewigleben ins Gesicht geschrieben, als sie vor Freunden, Förderern und Gästen des Landesmuseums Württemberg am Mittwoch das jüngste „Baby“ ihres Hauses vorstellte: 1063 Seiten, verteilt auf drei Bände, zur „Kunstkammer der Herzöge von Württemberg. Erforschung von Bestand, Geschichte und Kontext.“

Die 6,3 Kilogramm schwere, reich bebilderte Publikation (98 Euro, Süddeutsche Verlagsgesellschaft Ulm) belegt eindrucksvoll, dass Museen immer auch einen Forschungsauftrag haben. Wie außergewöhnlich er im Fall der Kunstkammer war, beweist die Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft. 2012 gab sie 615 000 Euro für das Mammutprojekt, an dem sich acht Stuttgarter Institutionen über fünf Jahre beteiligt haben. Denn was von der Spätrenaissance bis zum 19. Jahrhundert von den Herrschern in Stuttgart zum Bestaunen wie zur Belehrung gewissermaßen für die Urform eines Museums gesammelt und beschrieben worden war, gehört zu Teilen den späteren Institutionen wie dem Staatlichen Naturkundemuseum, der Staatsgalerie, dem Lindenmuseum, dem Hauptstaatsarchiv und der Landesbibliothek.

„Die Welt als Ganzes abbilden“

Leiter des Projekts war der Kunsthistoriker Fritz Fischer, seit 2017 Direktor der Schatzkammer des Kunsthistorischen Museums Wien. Ziel des Projekts sei es gewesen, „ein Bild von der Kunstkammer zu entwerfen, sie zu rekonstruieren und zu charakterisieren“. Da war am Anfang, zu Zeiten des Gründers Herzog Friedrich I. (1593–1608), der Wunsch wie Anspruch, „die Welt als Ganzes in einer Kammer abzubilden.“ Exotica, wie aztekische  Federschilde, exzentrische Spielautomaten, sonderbare Naturalia wurden in Stuttgart und andernorts in den Wunderkammern präsentiert. Später ging es um Prunk und Pracht; zeitgenössische Kunst, Kunsthandwerk, kostspieligste Glaserzeugnisse waren Statussymbole.

Gelistet sind mehr als 3800 Objekte, davon 2000 Medaillen und Münzen. Die Kunstkammer gehört damit zu den bedeutendsten ihrer Art. Ausführlich beschrieben finden sich fast  400 Objekte. Alle Stücke werden bis Jahresende digitalisiert und online über die Webseite des Landesmuseums und andere Portale verfügbar sein. Hinzu kommen die transkribierten Archivalien, womit „die württembergische Kunstkammer ein absolutes Alleinstellungsmerkmal hat, das weder München noch Dresden erreichen – um nur zwei zu nennen“, freute sich Ewigleben.

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