Baden-Württemberg restituiert mehrere Kunstwerke und Bücher, die während des Nationalsozialismus den Besitzer wechselten und in Landeshand gelangten. Die meisten Gegenstände stehen Erben verfolgter Juden zu. Um die Rückgabe einzuleiten, hat Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) eine entsprechende Vorlage für die Sitzung des Kabinetts nächste Woche erstellt. Die Zustimmung gilt als sicher. Das Papier liegt dieser Zeitung vor.

Konkret geht es um zwei Zeichnungen aus dem Bestand der Staatsgalerie Stuttgart, um ein hölzernes Schreiner-Zunftzeichen aus dem Badischen Landesmuseum und insgesamt 115 Bücher aus der Württembergischen Landesbibliothek sowie dem Landesarchiv. Alle Einzelstücke sollen nun jeweils „den Berechtigten unentgeltlich übertragen“ werden, heißt es in dem Schreiben. Den Gesamtwert aller Posten schätzt Bauers Ressort auf gut 10 000 Euro. Teile des Materials würden die Museen gerne „nach der Restitution zurückerwerben“.

Emigriert, deportiert, ermordet

Einige Stücke gehörten jüdischen Deutschen, die von den Nazis verfolgt wurden, emigrieren mussten oder deportiert und ermordet wurden. So geht es um zwei Zeichnungen – eine von Theodor Schüz, die andere von Samuel van Hoogstraten – aus der Sammlung des Juristen Michael Berolzheimer. Er emigrierte 1938, versuchte offenbar noch aus den USA, die Objekte zu verkaufen, aber erfolglos. Wie sie in die Staatsgalerie gelangten, ist unklar. „Was in der Folge mit den Werken im Einzelnen passiert ist, kann nicht mehr rekonstruiert werden“, schreibt das Ministerium. Ähnliches gilt für andere Werke jüdischer Eigentümer.

Besser geklärt ist der Weg von 99 Büchern aus einer Ludwigsburger Freimaurer-Loge. Diese wurde, wie alle im Deutschen Reich, 1933 verboten. Ein Mitglied der Loge gab 1934 „mehrere Hundert Bände hauptsächlich freimaurerischen Inhalts“ an die Württembergische Landesbibliothek, offenbar um sie zu sichern. Nach dem Krieg wurde die Loge wiedergegründet. Nun soll sie jene 99 Bücher, die die Landesbibliothek aus der Schenkung noch habe, wiederbekommen.

Öffentliche Einrichtungen in Deutschland orientieren sich in Restitutionsfragen üblicherweise an internationalen Übereinkünften wie der „Washingtoner Erklärung“. All diese Regelungen sind aber freiwillig. Vergangenen Herbst beschloss die Landesregierung auf Bauers Initiative eine „allgemeine haushaltsrechtliche Grundlage“, um NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut, das in Landesbesitz ist, herauszugeben.