Locarno Kritisches Panorama der Nachkriegszeit

Burghart Klaußner als Fritz Bauer in "Der Staat gegen Fritz Bauer".
Burghart Klaußner als Fritz Bauer in "Der Staat gegen Fritz Bauer". © Foto: dpa
Locarno / PETER CLAUS, DPA 08.08.2015
Der deutsche Spielfilm "Der Staat gegen Fritz Bauer" war ein Höhepunkt der ersten Filmfest-Tage in Locarno. Viel Beifall gab's auch für "Paradise".

Erfolg für Deutschland beim 68. Filmfestival im schweizerischen Locarno: "Der Staat gegen Fritz Bauer", der neue Spielfilm von Regisseur Lars Kraume ("Die kommenden Tage"), markiert einen der Höhepunkte in den ersten Festivaltagen. Der Film überzeugt sowohl als publikumswirksamer Thriller wie auch als kritisches Panorama vor allem des geistigen Zustands der Bundesrepublik Deutschland Ende der 1950er Jahre.

Auf Tatsachen beruhend, verfolgt das Drama die Bemühungen des Frankfurter Generalstaatsanwalts Fritz Bauer (1903-1968) um die juristische Auseinandersetzung mit den Verbrechen der Nazi-Zeit. Im Zentrum steht dabei die Suche nach dem in Argentinien untergetauchten SS-Schergen Adolf Eichmann, einem der hauptverantwortlichen Organisatoren des Holocausts. Fritz Bauer trug wesentlich dazu bei, dass der israelische Geheimdienst Eichmann aufgreifen und ihm in Israel der Prozess gemacht werden konnte.

"Der Staat gegen Fritz Bauer" packt mit einer intelligenten Inszenierung, mit deutlichen kritischen Verweisen auf die Macht von Alt-Nazis in der noch jungen BRD und mit exzellenten Schauspielern.

Burghart Klaußner ("Das weiße Band") in der Titelrolle und prominente Partner wie Ronald Zehrfeld und Sebastian Blomberg ziehen die Zuschauer in ihren Bann. Der Film läuft zwar außerhalb des Internationalen Wettbewerbs. Nach dem ersten Drittel der Festivalzeit gilt er jedoch als aussichtsreicher Anwärter auf den begehrten Publikumspreis von Locarno.

Um den Hauptpreis, den Goldenen Leoparden, bewerben sich 19 Spiel- und Dokumentarfilme. Darunter sind drei internationale Produktionen, die mit finanzieller Beteiligung deutscher Produzenten realisiert worden sind. Einer dieser Filme war bereits zu sehen: "Paradise", eine iranisch-deutsche Ko-Produktion von Regisseur Sina Ataeian Dena, der erste Teil einer geplanten Teheran-Trilogie.

Gedreht ohne offizielle Erlaubnis der iranischen Regierung, gibt der Film ein facettenreiches Bild des Alltags in Teheran. Ermöglicht wird das durch die Geschichte einer jungen Lehrerin, die im Dschungel der Bürokratie um ihre Versetzung an eine andere Schule kämpft. Der Film zeigt ihre Odyssee von Behörde zu Behörde und erzählt dabei auch davon, wie Frauen unterdrückt und Kinder zu Gehorsam gedrillt werden.

"Paradise" hinterließ mit Spannung und Anspruch den bisher nachhaltigsten Eindruck im Wettbewerb des Festivals. Im Laufe der nächsten sieben Tage werden allerdings weitere starke Filme erwartet. Darunter sind neue Arbeiten von bekannten Regisseuren wie Andrzej Zulawski und Otar Iosseliani. Die Jury, in der auch der in den USA lebende deutsche Schauspieler Udo Kier mitarbeitet, dürfte "Paradise" aber auf der Kandidatenliste für den Goldenen Leoparden haben.

Vergeben wird die Auszeichnung am Abend des 15. August.

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