Verlage Klöpfer & Meyer-Verleger sucht Nachfolger

Bereit für die Übergabe: Verleger Hubert Klöpfer.
Bereit für die Übergabe: Verleger Hubert Klöpfer. © Foto: Ulrich Metz
Tübingen / Claudia Reicherter 15.09.2018

„Bücher fürs Denken und Lesen ohne Geländer.“ Furchtlos – und frei nach Hannah Arendt – stellt sich der Tübinger Verlag Klöpfer & Meyer auf seiner Website vor. Dem vielgelobten und zweifach preisgekrönten unabhängigen Literaturverlag droht jetzt aber der Absturz. Das legen Rundbriefe nahe, die im vergangenen Monat an die Autoren und Autorinnen rausgingen – Lyriker, Prosa-Schriftsteller, Essayisten, Wissenschaftler und Journalisten wie Eva Christina Zeller, Joachim Zelter, Kurt Oesterle und Hermann Bausinger aus Tübingen, Christine Langer und Silke Knäpper aus Ulm, Thumilan Selmakuvaran aus Schwäbisch Hall, Manfred Zach und Adrienne Braun aus Stuttgart oder den gebürtigen Dettenhausener Felix Huby aus Berlin.

Darin teilte Verleger Hubert Klöpfer mit, der Verlag, den er am 19. Dezember 1991 zusammen mit Klaus Meyer und einigen engagierten Mitstreitern gegründet und 2003 kurz vor dem bevorstehenden Verkauf des damaligen Mutterhauses DAV an einen Branchenriesen nach Tübingen zurückgeholt hatte, lege 2019 kein Frühjahrsprogramm vor. Und ein Herbstprogramm 2019 „wird es nur geben, wenn altershalber die Nachfolge geregelt ist“.

„Ich bin kerngesund!“, betont der bald 67-Jährige auf anderslautende Gerüchte hin. „Und auch noch nicht ganz ohne Hoffnung.“ In Übereinkunft mit seiner Familie habe er sich nunmal vorgenommen, zum 30. Verlagsjahr seinen Ruhestand anzutreten. Und die bislang zweijährigen Bemühungen um eine zufriedenstellende Nachfolgeregelung seien erfolglos geblieben. Verlage und „verlagsnahe Menschen“, mit denen er verhandelte, scheuten das Risiko, die Arbeit, oder die „zunehmend buchfernen Zeiten“. „Das verstehe ich“, sagt Klöpfer. „Die Vorlaufkosten pro Verlagsprogramm belaufen sich schließlich auf gut 200 000 Euro.“

Dennoch sieht er noch „Gesprächsmöglichkeiten“. Statt ein Frühjahrsprogramm vorzubereiten, will er die in den kommenden Monaten intensiv nutzen. „Es darf sich jeder darum bewerben, bei Klöpfer & Meyer einzusteigen!“ – sonst heißt es in Tübingen bald frei nach Hermann Hesse: „Jedem Zauber wohnt ein Ende inne.“

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