Zwischenruf Klassische Eitersalbe

Ulm / Magdi Aboul-Kheir 09.12.2016

Goethe, Schiller, Lessing. Diese Namen sollten uns im Kopf beim Begriff Klassiker aufleuchten. Wahlweise Haydn, Mozart, Beethoven. Was wird uns stattdessen als „klassisch“ präsentiert?  Bundhose, Kugelgrill und Veggiewurst.

Klassisch – das bezieht sich auf eine kulturhistorische Epoche und stand einst für zeitlos qualitätsvoll, beispielhaft, vollendet, ausgewogen. Genau daher wird das Wort heute so gern von Werbefuzzis verwendet.

Es mag noch angehen, dass Mercedes Benz seine Oldtimer-Abteilung „Classic Center“ nennt, handelt es sich doch um formvollendete Klassiker des Automobilbaus. Man mag auch von klassischen Cocktails oder klassischem Make-Up sprechen.

Aber wer nach Klassikern googelt, findet Erbsensuppe (Klassiker unter den Eintöpfen), Badeenten (Wannen-Klassiker) und Scharlach (Klassiker unter den Kinderkrankheiten). Von Maultaschen (schwäbischer Klassiker) und der Missionarsstellung (Klassiker im Ehebett) ganz zu schweigen.

Und was erst mit dem Attribut „classic“ – angeberhaft englisch geschrieben – geschieht: Eiweißbrot classic, Classic Katzenfutter Thunfisch, Wasserbett Classic und Zwilling Classic Nasenhaarschneider. Das ist klassischer Stuss, pardon Stuss classic. Nur Schillerlocken classic gibt es nicht, ausgerechnet.

Man könnte Pickel bekommen. Doch Vorsicht! Früher behandelte man Eiterherde mit der Ilon Abszess-Salbe. Doch empfindet man das Wort Abszess heute offenbar als viel zu igitt.  Was der Apotheker jetzt verkauft? Man ahnt es: Ilon Salbe classic. Magdi Aboul-Kheir