Klassisch Klassisch: Voller Wut und Strenge

Ulm / Burkhard Schäfer 02.11.2018

Seit mehr als 20 Jahren spielen Lars Vogt (Klavier) und die Geschwister Tanja (Cello) und Christian Tetzlaff (Violine) als Trio zusammen. Mit ihrer ersten gemeinsamen CD (sämtliche Klaviertrios von Johannes Brahms, 2015 bei Ondine/Naxos) ließen sie sich sehr viel Zeit. Nun haben die drei Ausnahme-Musiker endlich nachgelegt: mit den Klaviertrios Nr. 3 in f-Moll op. 65 und Nr. 4 „Dumky“ in e-Moll op. 90 von Antonin Dvorák. Wie aufwühlend, glühend intensiv und unverbraucht diese (allzu) viel gespielten Werke klingen können, wenn drei Meister ihres Faches sich ihrer annehmen, kann man auf der jetzt ebenfalls bei Ondine erschienenen CD hautnah erfahren. Die Musiker agieren gleichsam mit offenem Visier – rückhaltlos emotional und technisch so überragend, dass man dem Seelenkrimi, der sich in beiden Werken abspielt, mit offenem Munde lauscht.

Was hat Sie angetrieben, diese CD einzuspielen?

Christian Tetzlaff: Schon bei unserer ersten gemeinsamen CD mit den Brahms-Trios war es unser Wunsch, das, was man über Jahre hinweg in sich trägt, auf einem Tonträger festzuhalten. Vor allem bei dem Dvorák-Album war uns wichtig, die eindringliche Intensität und rohe Emotionalität seiner Kompositionskunst vor verhübschendem Traditionalismus zu bewahren. Die Diskrepanz zwischen dem, was Dvorák schreibt und dem, was man zumeist zu hören bekommt, ist enorm, speziell beim Dumky-Trio.

Was verbindet Sie ganz persönlich mit Dvoráks f-Moll-Trio?

Das ist das Trio, das ich am häufigsten gespielt habe. Die Wärme, Wut und Trauer und schlussendliche Wendung zu versöhnlicher Freude sind in diesem Werk – es handelt sich um eine Reaktion auf den Tod seiner Mutter – von unvergesslicher Tiefe. In dem Alter, in dem wir Trio-Mitglieder jetzt sind und in dem einen jeden von uns das Schicksal schon gehörig angegangen hat, ist man dankbar für ein Stück, das kathartisch diese Gefühle teilt.

Aus welchem Holz ist dem gegenüber das Dumky-Trio geschnitzt?

Wo sich das f-Moll-Trio überbordend mitteilt, herrscht im Dumky-Trio oft eine fürchterliche Strenge. Es ist faszinierend zu sehen, wie derselbe Komponist hier einen vollkommen anderen Trio-Stil schreibt – oft karg, viel solistischer und klanglich extrem. Alle sechs Sätze sind fantastisch ausbalanciert. Wichtig war uns, dass die Tempi auch in den schnellen Sätzen sehr gehalten sind – mit viel Widerstand statt flotter Virtuosität. Der Kontrast von ganz langsam und sehr schnell ist beeindruckend, schadet aber der Tiefe dieser großen Musik.

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