Klassisch Klassisch: Unbekannter Beethoven

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Ulm / Burkhard Schäfer 26.07.2018

Wohl jeder, der sich für klassische Musik interessiert, kennt Ludwig van Beethovens Sinfonien. Im Unterschied zu diesen neun „Hits“ stehen seine zwischen 1809 und 1820 entstandenen Volksliedbearbeitungen auf der Berühmtheitsskala sicherlich ganz unten, selbst bei Kennern der Materie. Völlig zu Unrecht, wie das TrioVanBeethoven (Verena Stourzh, Violine, Franz Ortner, Cello, Clemens Zeilinger, Klavier) findet. Aus diesem Grund hat das in Wien beheimatete Ensemble zusammen mit Lorna Anderson (Sopran) und Jamie MacDougall (Tenor) jetzt eine Auswahl dieser Bearbeitungen – insgesamt 21 Lieder – für das Label Gramola (Vertrieb: Naxos) auf einer wahrlich hörenswerten CD eingespielt. Diesen unbekannten, aber nicht minder faszinierenden Beethoven sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen.

Frau Stourzh, wie sind Sie auf Beethovens Volksliedbearbeitungen aufmerksam geworden?

Mit dieser kammermusikalischen Gattung bin ich vor ungefähr zehn Jahren in Berührung gekommen, als ich mit Lorna Anderson, Jamie MacDougall und dem Haydn-Trio Eisenstadt sämtliche 429 Volksliedbearbeitungen Joseph Haydns eingespielt habe. Damals habe ich auch einige der 179 Arrangements von Beethoven kennen und lieben gelernt. Mit dieser CD möchten wir eine Auswahl von schottischen, irischen und walisischen Volksliedbearbeitungen Beethovens vorstellen, die selbst Kennern seines Oeuvres weitgehend unbekannt ist.

Was zeichnet Beethovens Bearbeitungen aus?

Seine Arrangements gehen über die gängige Liedbearbeitung weit hinaus; es handelt sich hier um feine Kammermusik mit auskomponierten Vor-, Zwischen- und Nachspielen. Die Lieder sprühen nur so vor Ideenreichtum, sodass der Hörer ein großes Ausdrucksspektrum von mitreißender Energie in den schnellen und von tiefer Expressivität in den langsamen Arrangements erlebt.

Nach welchen Kriterien haben Sie die Gesangssolisten der Aufnahme ausgewählt?

Es war uns wichtig, schottische Sänger zu gewinnen, weil nur diese eine authentische Interpretation des Repertoires in musikalischer und sprachlicher Hinsicht gewährleisten. Lorna Anderson und Jamie MacDougall bekamen die Melodien schon von ihren Eltern und Großeltern vorgesungen, und wir Triomitglieder sind alle drei in Wien quasi mit Beethoven aufgewachsen. So haben wir sehr rasch einen natürlichen Zugang zu dieser Musik gefunden und möchten die kunstvollen Arrangements nun auch vermehrt in die Konzertsäle bringen.

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