KLASSISCH: Schweizer Verführung

BURKHARD SCHÄFER 10.12.2013

Sage noch jemand, die Compact Disc sei ein "kaltes" Medium, das seine besten Zeiten hinter sich habe - die vorliegende CD beweist das komplette Gegenteil! In punkto Werkauswahl, Interpretation, Cover-Gestaltung, Booklet-Text und Ausstattung setzt dieser Tonträger Maßstäbe. Und das gilt auch für das Instrument, auf dem der Pianist Adalberto Maria Riva spielt: der historische Braschoss-Liszt-Flügel aus dem Jahr 1835 von Schloss Greyerz in der französischen Schweiz. Auch die Mehrzahl der hier zu "Klangrede" kommenden und (bis auf Franz Liszt) zumeist unbekannten Komponisten stammt aus der Schweiz: Fanny Hünerwadel, Paul Hahnemann, Hans Huber, Charles Bovy-Lysberg, Caroline Boissier-Butini, Adolf Ruthard, Vincent Adler - wer hätte diese Namen je gehört? Riva erweckt diese durchweg dem Geschmack des 19. Jahrhunderts huldigenden Werke so bezwingend zum Leben, dass man sich schier nicht satt hören kann - weder an der Musik noch an dem verführerisch sanft singenden Ton des historischen Flügels.

Drei Fragen an. . .

. . .den Pianisten

Adalberto

Maria Riva

Wie haben Sie diese reichhalte Auswahl an Kompositionen zusammentragen können?

Ich habe in den Bibliotheken der französischen Schweiz herumgestöbert. Dabei hatte ich das Glück, von Musikwissenschaftlern, Konservatoren und Bibliothekaren Vorschläge und Tipps zu romantischen Komponisten zu bekommen, deren Namen sogar für mich völlig unbekannt waren. Es war mein Wunsch, mit der CD die Aura der kulturellen Treffen wiederzubeleben, die einst im Schloss von Greyerz stattfanden.

Was hat Sie zu dem Titel der CD - "Musik und Natur" - geführt?

Bei meiner Suche in den Bibliotheken habe ich eine Menge Partituren gefunden, deren Titel alle von der Natur inspiriert waren. So habe ich mir gedacht, dass der Titel "Musique et nature" all die verschiedenen auf der CD zu hörenden Werke gut miteinander verbindet. Es ist ja eine sehr romantische Vorstelllung, dass Musik und Natur in Einklang miteinander stehen - und sie passt wunderbar zu dem malerisch am Alpenrand gelegenen Schloss.

Erzählen Sie uns bitte etwas von der Geschichte des Braschoss-Flügels.

Franz Liszt selbst spielte dieses wunderbare, erstaunlicherweise vollständig original erhaltene Instrument während seines Aufenthaltes in Genf 1835/36 mit Marie DAgoult. Ich finde es als Pianist beeindruckend, hautnah erleben zu können, wie sich die Vorstellung des Klavierklangs im Lauf der Zeit verändert hat, und genau diesen Aspekt wollte ich mit der Aufnahme auch zum Ausdruck bringen.

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