KLASSISCH: Prag zu vier Händen

BURKHARD SCHÄFER 19.07.2012

Es ist eine der intensivsten und intimsten Formen gemeinsamen Musizierens: das Klavierspiel zu vier Händen. Das Pianoduo Danhel-Kolb beherrscht diese Kunst wie kaum ein anderes Ensemble seiner Zunft. Unter dem Titel"Slavonic Dances" hat das deutsch-tschechische Duo jetzt seine Debüt-CD veröffentlicht und dabei alle Werke um die Hauptstadt Prag herum gruppiert: Der musikalische Bilderbogen spannt sich von Antonin Dvoraks berühmten"Slawischen Tänzen" op. 46, die der CD den Titel geben,über Zdenek Fibichs wunderbar poetische Sonate B-Dur op. 28 und Erwin Schulhoffs sarkastische"Ironien" op. 34 bis hin zu den freitonalen"Variationenüber ein Thema von Pergolesi" des 1922 geborenen Komponisten Ilja Hurnik, die hier in einer maßstabsetzenden Welt-Erst-Einspielung präsentiert werden. Dabei überzeugt nicht nur das Programm, das die gebürtige Pragerin Romana Danhel-Kolb und der aus Darmstadt stammende Oliver Kolb hier präsentieren, sondern vor allem auch die eminent artistische und ausdrucksstarke Spielweise dieses hochtalentierten Ausnahme-Duos. Erschienen bei Genuin.

Drei Fragen an . . .

. . . das Piano-Duo Danhel-Kolb

Frau Danhel-Kolb, was ist der ganz besondere Reiz des vierhändigen Klavierspiels?

Duo zu spielen, das bedeutet, die zehn Finger eines Solopianisten zu verdoppeln. Daraus entsteht ein ganz besonderer kammermusikalischer Reiz. Und es ist eine große Herausforderung, dem daraus sich ergebenden enormen Zuwachs an Klangfarben die nötige Transparenz und Individualität zu verleihen.

Herr Kolb, die Hauptstadt Ihrer Debüt-CD ist Prag. Welche Geschichte(n) möchten Sie Ihren Zuhörern damit vermitteln?

Der Gedanke an Prag kann sehr viele Assoziationen wecken. Wir möchten den Hörer auf eine musikalische Entdeckungsreise durch diese Stadt mitnehmen. Ihren Reichtum an unterschiedlichen Facetten, die Fülle an Einflüssen und auch die ästhetischen Umbrüche in der Musik des 19. und 20 Jahrhunderts widerzuspiegeln hat uns fasziniert.

Frau Danhel-Kolb, neben Dvoraks berühmten"Slawischen Tänzen präsentieren Sie auch eher unbekannte Werke. Warum bekommt man die faszinierenden Stücke so selten zu hören?

Das kann jedenfalls nicht in der musikalischen Qualität dieser Kompositionen begründet liegen. Zum Beispiel wurde die Rezeption der großartigen Musik Erwin Schulhoffs durch die Verfolgung im"Dritten Reich" und seinen tragischen frühen Tod im Konzentrationslager abgerissen. Das wirkt letztlich bis heute nach.