Klassisch Klassisch: Oktett-Meisterwerk

Ulm / Burkhard Schäfer 13.07.2018

Oktette gibt es mehrere – von diversen Komponisten, in ganz unterschiedlichen Besetzungen. Aber „das“ Oktett in F-Dur für Klarinette, Horn, Fagott, 2 Violinen, Viola, Cello und Kontrabass stammt von Franz Schubert. 1824 hat er sein großes Werk vollendet, mit dem er sich, wie er in einem Brief bekundete, den Weg zur großen Symphonie bahnen wollte. Dass dieses Urbild der Gattung gleichwohl reinste, beglückendste Kammermusik ist, beweist die CD, die die Geigerin Isabelle Faust jetzt zusammen mit ihren Freunden für das Label Harmonia Mundi auf Originalinstrumenten eingespielt hat. Das Resultat klingt aber nicht „historisch“, sondern im Gegenteil so frisch und frech, als sei das Werk gerade eben erst entstanden.

Frau Faust, wie kam es zu dieser Einspielung des Werks auf historischen Instrumenten?

Das Oktett gehört seit jeher zu meinen Lieblingswerken der Kammermusik. Ich habe es über viele Jahre immer wieder aufs Programm gesetzt und mit meinen Kollegen des historischen Fachs eine so ideale Gruppe gefunden, dass es einfach auf der Hand lag, dieses beglückende Musizieren mit den sehr außergewöhnlichen Musikern und Instrumenten endlich auch auf CD festzuhalten. Es mag sicherlich schon einige Aufnahmen des Oktetts geben, aber erstaunlicherweise trifft man immer noch Menschen, die dieses Meisterwerk wenig oder überhaupt nicht kennen.

Wie kann man ein so häufig gespieltes Werk neu erfahrbar machen?

Es ist unsere Aufgabe als Interpret, der Musikwelt Schuberts nachzuspüren und sie dann so lebendig und spontan zu präsentieren, dass das Revolutionäre, Anrührende, Beglückende uns heute wieder ähnlich aufwühlen kann wie damals Schuberts Zeitgenossen. Für mich und meine Kollegen ist es eine große Hilfe, das Oktett mit den historischen Instrumenten aufzuführen, wir finden es um ein Vielfaches einfacher, so die speziellen Klänge und Momente herauszuarbeiten.

Sprengt Schuberts Oktett die Gattung Kammermusik?

Das Oktett ist für mich Sinfonie, Lied, Oper und Kammermusik in einem. Schubert bereitet sich hier auf die großen Sinfonien vor, er baut aber auch, wie konnte es anders sein, Lied und Lied-Variationen ein, vergnügt sich ansonsten damit, jede mögliche Instrumenten-Kombination durchzuspielen. Dieses Stück ist so abwechslungsreich und in seinen Ausmaßen monumental, in seiner Ausarbeitung aber oft von feinster Ziselierung, ephemerer Zartheit. Es ist ein wirklich außergewöhnlich gelungenes Werk, von der ersten bis zur letzten Note.

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