Wie haben Komponisten diese Ur-Traumata des 20. Jahrhunderts in ihren Werken reflektiert? Der Frage sind Maria Milstein (Violine) und Hanna Shybayeva (Klavier) nachgegangen. Das Resultat findet sich auf der fesselnden CD "Sounds of War". Drei Violinsonaten sind zu hören, die Milstein und Shybayeva für ihr Projekt ausgewählt haben: Leos Janaceks Sonate entstand im Ersten Weltkrieg, die von Francis Poulenc und die von Sergei Prokofiev (seine erste) sind im Zweiten Weltkrieg geschaffen worden. Es ist nicht nur spannend, sondern geradezu aufregend, den beiden ebenso messerscharf wie sensitiv agierenden Interpretinnen auf ihrer akustischen Tour de Force zu folgen. Ja, in dieser Zusammenstellung öffnen die Werke ganz neue Klangräume. Im Meer der oftmals beliebigen Klassik-CD-Neuheiten setzt diese herausragende Produktion Maßstäbe in punkto Anspruch und Konzept (erschienen beim Label Cobra im Vertrieb von Challenge).

Drei Fragen an . . .

. . . die Geigerin

Maria Milstein

Nach welchen Gesichtspunkten haben Sie die Werke ausgewählt?

Hanna und ich haben intensiv über ein Programm zum Gedenken an die beiden Weltkriege nachgedacht. Unter den Werken für Violine und Klavier, die während der Kriegsjahre geschrieben wurden, haben uns diese Sonaten unmittelbar berührt mit ihrer starken humanistischen Botschaft. Die drei Kompositionen sind ergreifende Antworten auf das sie umgebende Chaos und dabei Meisterwerke ihrer Gattung.

Was verbindet die drei Sonaten miteinander?

Alle Werke dieser CD sind sehr intensiv. Als Zuhörer spürt man die Eindringlichkeit, mit der jeder Komponist sich unter diesen dramatischen äußeren Umständen ausdrückt. Manchmal vernimmt man sogar "das Geräusch zerbrechenden Stahls" - so Janacek über seine Violinsonate. Es ist faszinierend zu hören, wie drei unterschiedliche Komponisten hier in drei verschiedenen Musiksprachen über das Trauma des Krieges sprechen.

Sind die Entstehungsbedingungen also in den Sonaten zu vernehmen?

Komponisten sind genau wie andere Künstler in die sie umgebenden Umstände verwickelt und reflektieren diese in ihren Werken. Es ist viel interessanter, Schöpfungen in ihren Zeitkontext zu stellen, als sie autonom zu betrachten, weil man die Motivationen ihrer Entstehung besser versteht. Poulenc etwa gilt vielen als ein leichtgewichtiger, frivoler Komponist, seine Violinsonate zeigt ihn aber von einer völlig anderen Seite: tragisch und humanistisch.