Klassisch: Kagels Klaviertrios

BURKHARD SCHÄFER 20.01.2014
Der argentinisch-deutsche Komponist Mauricio Kagel (1931- 2008) erlangte in den 60er Jahren vor allem als Vertreter des "instrumentalen Theaters" Berühmtheit.

Der argentinisch-deutsche Komponist Mauricio Kagel (1931- 2008) erlangte in den 60er Jahren vor allem als Vertreter des "instrumentalen Theaters" Berühmtheit. Mit damals neuartigen Spiel- und Vokaltechniken erweiterte er das Spektrum der Musik. Das Konzertpodium wurde zur Bühne, auf der die Interpreten - auch - den Prozess der Musik-Hervorbringung zur Schau stellten. Seine vor allem in den letzten Lebensjahren entstandenen drei Klaviertrios von 1985, 2001 und 2007 sind im Unterschied dazu "rein" kammermusikalische Werke altmeisterlicher Provenienz. Erstmals liegen sie nun alle kompakt auf einer einzigen CD vor. Ein Glücksfall, denn das junge, in Berlin ansässige Trio Imàge (Gergana Gergova, Violine; Thomas Kaufmann, Cello; Pavlin Nechev, Klavier) spielt die Stücke so, dass es einen schier vom Hocker haut (Label: Avi).

Drei Fragen an. . .
. . . die drei Musiker des Trio Imàge

Frau Gergova, welche geistigen Dimensionen öffnen Kagels Klaviertrios dem Hörer?
Es ist sehr persönliche Musik, sie berührt Hörer als auch Spieler auf einer tiefen Ebene. Wir haben uns über mehrere Jahre intensiv mit den Werken beschäftigt, nicht zuletzt auch wegen der hohen spieltechnischen Ansprüche, was sowohl jede Einzelstimme als auch das Zusammenspiel angeht. Kagel geht an instrumentale und dynamische Grenzen, dabei ist keine Phrase, keine Note, keine Geste beliebig, alles hat einen tieferen Sinn.

Herr Kaufmann, welchen musikhistorischen Stellenwert nehmen diese Werke ein?
Insbesondere in den Klaviertrios findet Kagel nicht nur seine eigene Stimme, sondern er verleiht seiner Verzweiflung über den Verlauf der Humanität eindrucksvoll Ausdruck. Wir sehen in den Werken mehr als nur wichtige Beiträge zur Gattung Klaviertrio, sondern betrachten sie als drei der wichtigsten künstlerischen Leistungen des späten 20. und frühen 21. Jahrhunderts.

Herr Nechev, bilden die drei Trios eine Art übergeordnete Einheit?
In der Tat bilden die drei Trios eine Art Zyklus. Die erste Gemeinsamkeit liegt darin, dass alle drei aus bereits existierenden Werken Kagels entstanden sind. Ein Schüler Kagels erzählte uns, dass das zweite Trio ursprünglich aus drei Sätzen bestehen sollte; als Kagel aber nach Fertigstellung des ersten Satzes von dem Angriff auf das World Trade Center hörte, beendete er das Werk nach dem ersten Satz, sodass man die zwei Sätze des dritten Trios als die beiden verbleibenden Sätze des zentralen zweiten Trios sehen kann. Der Tod spielt in allen drei Werken eine große Rolle - das letzte ist ja als konkrete Todesahnung wenige Monate vor seinem Tod beendet worden.