Die Geigerin Ilona Then-Bergh und der Pianist Michael Schäfer machen es sich schon seit Jahren zur Aufgabe, vergessene Kammermusikschätze zu bergen und in der CD-Reihe "Unerhört" zu präsentieren. Mit den beiden Klaviertrios des russichen Komponisten, Musikwissenschaftlers und Kritikers Leonid Sabaneev (1881-1968) ist ihnen jetzt ein sensationeller Fund von musikhistorischer Bedeutung geglückt.

Das apokalyptische zweite Trio Sabaneevs aus dem Jahr 1924 zählt zu den ganz großen Werken, die im 20. Jahrhundert für diese Besetzung komponiert wurden. Obwohl spätromantisch empfunden, ist Sabaneevs harmonisches Gefüge doch morsch bis ins Mark. Fast scheint es, als artikuliere das Stück in seiner morbiden Tonalität die Trauer über den Verlust der Harmonie.

Das erste Trio aus dem Jahr 1907 wirkt mit seinem gehetzten Duktus, als würde es den heraufziehenden Expressionismus vorwegnehmen. Gemeinsam mit dem Cellisten Wen-Sinn Yang legen Schäfer und Then-Bergh eine intensive und zutiefst beglückende Lesart der Klaviertrios vor und bereichern die Musikwelt um zwei großartige Kammermusikwerke.

Drei Fragen an. . .

.. . . das Michael Schäfer Trio

Herr Schäfer, wie sind Sie überhaupt auf Leonid Sabaneev gestoßen?

MICHAEL SCHÄFER: Ich hatte mir Bücher über die mystische Musik Russlands der 20er Jahre besorgt. Darin wurde Sabaneev als Kritiker und Musiktheoretiker erwähnt. Wir haben dann gesehen, dass er auch komponiert hat, unter anderem zwei Klaviertrios. Glücklicherweise hatte die Berliner Staatsbibliothek diese beiden Trios auf Mikrofiche, so dass wir die Noten studieren konnten.

Frau Then-Bergh, wie oft und wie lang haben Sie das zweite Trio einstudieren müssen?

ILONA THEN-BERG: Es braucht lange, ein solch komplexes Werk harmonisch zu verstehen und auch rhythmisch zu beherrschen. Daran merkt man aber auch die Qualität des Stückes. Aber es war traumhaft, wie wir drei uns dann beim Spielen verstanden haben und auch hinsichtlich der Klangfarben einer Meinung waren.

Herr Yang, was empfinden Sie beim Spielen und Hören des Werkes?

WEN-SINN YANG: Das zweite Trio hat fast keine reinen Farben, jeder Akkord ist sozusagen leicht verschmutzt, man denkt immer, man spielt falsch. Dabei hat das Werk unglaublich utopische Momente, es betritt ein fremdes Terrain und führt in einen Zustand, ähnlich wie der Film "Stalker" von Andrei Tarkowski.Info Leonid Sabaneev: Piano Trios. Genuin Classics.