Klassisch Klassisch: Faustische Orgelübertragung

Ulm / Burkhard Schäfer 30.08.2018

Franz Liszt komponierte seine Faust-Symphonie für großes Orchester 1854 in Weimar. Ihre drei Sätze, die Faust, Gretchen und Mephisto charakterisieren, gelten als Musterbeispiel romantischer Programmmusik. Nun hat der Dirigent und Konzertorganist Hansjörg Albrecht das riesig dimensionierte Werk für die Orgel transkribiert. Seine Übertragung braucht nicht nur keinen Vergleich mit der Originalfassung zu scheuen, sie eröffnet neue Hör-Räu­me. Albrecht gelingt es, die Dimensionen dieser Musik der Klais-Orgel in der Philharmonie im Gasteig München anzuvertrauen und das Werk zum Leuchten zu bringen. Faustisch! (Erschienen bei Oehms im Vertrieb von Naxos).

Herr Albrecht, wie kann man ein so gewaltiges Orchesterwerk auf die Orgel übertragen?

Für mich war eine Umsetzung dieser riesigen Sinfonie auf die Orgel nur insofern schwer, als dass die reine Spielzeit mehr als eine Stunde beträgt – das ist lang. Schon seit meinem Studium habe ich viel bearbeitet und mir mein Wissen um Orchestrierung und Satzstrukturen angeeignet. Zudem denke ich auch beim Spielen immer vom Orchester her. Das oberste Ziel war für mich, dass meine Übertragung so nah wie möglich an die Qualitäten von Liszts Orgelfantasie „Ad nos, ad salutarem undam“ herankommt. Ich hoffe, das ist mir gelungen.

Liszts Musik ist umstritten. Wie haben Sie sie erlebt?

Ich empfinde seine Musik als hoch spannend und überaus elektrisierend. Liszt ist bei weitem nicht nur der Tastenlöwe und Blender, als der er oft dargestellt wird. Er hat nicht nur Wagner und Strauss inspiriert, sondern auch sehr modern gedacht. Stellenweise meint man, er hätte auch als Vater der symphonischen Filmmusik gelten können. Natürlich muss man sich auf den hochromantischen Klangkosmos und die Weltsicht des 19. Jahrhunderts einlassen.

Warum haben Sie das Werk auf
einer Konzert- und nicht auf einer Kirchen­orgel eingespielt?

Ausschlaggebend für die Aufnahme in der Philharmonie im Gasteig war meine Einladung zum „Faust-Festival München“, bei dem ich dieses Werk dann auch – zusammen mit einer Tanz-Company sowie Licht- und Videoinstallationen – aufgeführt habe. Die große Klais-Orgel bietet ein gewaltiges Farbspektrum, inklusive der für Liszt so wichtigen Blechbläser – hier in Form von vier Horizontaltrompeten-Registern. Gerade auch in Verbindung mit den Möglichkeiten der modernen Aufnahmetechnik war die Produktion „meiner“ Faust-Sinfonie ein inspirierender Prozess.

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