Berlin. Weit gefächert war die Programmpalette des herbstlichen Berliner Musikfests, das in der Werkauswahl einen Bogen schlug vom 17. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Imposant die Vielfalt der mehr als 80 Kompositionen von rund 40 Tonschöpfern.

Die Geburtstage dreier renommierter, höchst unterschiedlicher Komponisten – Claudio Monteverdi, Isang Yun, Wolfgang Rihm – setzten Akzente. Der Festivalauftakt stand im Zeichen des 450. Geburtstags des Italieners Monteverdi, der bestimmend war für den bahnbrechenden Wandel der Musik von der Spätrenaissance zum Frühbarock. Ein glücklicher Umstand, dass es den Veranstaltern gelungen war, den exzellenten Dirigenten John Elliot Gardiner und die von ihm gegründeten Spitzenensembles historischer Aufführungspraxis sowie kompetente Gesangssolisten für eine halbszenische Produktion der drei erhaltenen Monteverdi-­Opern „Orfeo“, „Die Heimkehr des Odysseus“ und die „Krönung der Poppea“ zu gewinnen.

Referenz vor Isang Yun

Konzerte prominenter Gastklangkörper (wie etwa des Concertgebouw Orchestra Amsterdam), aber auch der hervorragenden Berliner Orchester setzten gleichfalls markante Akzente. Ein außerordentliches Ereignis bedeuteten da die drei von Marek Janowski geleiteten Abende der Berliner Philharmoniker, die mit der Aufführung von Hans Pfitzners drei Orchestervorspielen aus der Oper „Palestrina“ zudem den durch den Monteverdi-Zyklus gesetzten italienischen Schwerpunkt des Festivals bereicherten. Danach gelang Janowski eine tiefschürfende, auf Transparenz bedachte Gestaltung von Bruckners 4. Sinfonie, die einen großartigen Klangdom entstehen ließ.

Als krönendes Finale schließlich Vladimir Jurowskis Antrittskonzert beim Rundfunk-Sinfonie­orchester Berlin (RSB), das das programmatische Profil des neuen Chefdirigenten bereits erkennen ließ. Zum Auftakt erfolgte seine Referenz vor dem mit Berlin so eng verbundenen Koreaner Isang Yun mit der Klangflächenkomposition „Dimensionen“ (1971). Als Zentrum des Programms folgte Arnold Schönbergs Violinkonzert, dessen Vielschichtigkeit Christian Tetzlaff gemeinsam mit dem RSB differenziert ausleuchtete. Nach der Pause erklang Luigi Nonos gewichtiges Melodram „Fucik“ – ein musikalischer Aufschrei angesichts der Folterung und Hinrichtung des tschechischen Schriftstellers und Widerstandskämpfers 1943. Für Jurows­kis Dramaturgie bezeichnend, dass er Nonos Protestwerk Beet­hovens die Humanität beschwörende 5. Sinfonie in einer aufrüttelnden Nachgestaltung folgen ließ.