Ulm / UDO EBERL  Uhr
Kerstin Kraus sorgte in diesem Jahr beim Item-Kunstförderpreis für Malerei für ein Novum: Sie bekam den Preis der Künstlerjury und des Publikums überreicht.

„Ich kann nicht“ lautet der Titel der Arbeit der aus Weiden in der Oberpfalz stammenden Kerstin Kraus, mit der sie beim 7. Item-Kunstförderpreis für Malerei einen wirklichen Coup landen konnte. Und dies im ganz großen Rahmen, denn Item feierte am Tag der Preisvergabe auch 25 Jahre Item in Ulm. Es spricht für den unternehmerischen Ansatz, dass die Kunst auch an diesem Feiertag vor der Party nicht zur Nebensache wurde, sondern im Mittelpunkt stand. Ganz besonders die im Vorfeld aus 210 Einreichungen ausgewählten Arbeiten, die überall im Firmengebäude präsentiert wurden.

Spannend die ganze Bandbreite der Stile und künstlerischen Ansätze in der Malerei, für die insbesondere Studierende aus ganz Deutschland beim Jubiläum „25 Jahre Kunst“ sorgen. Andreas Mock, seit 1991 „Galerist“ und Kurator bei Item, konnte dabei aus dem Vollen schöpfen und setzte beim mit 3000 Euro dotierten „Großen Preis der Fachjury“ auf das Modell der Künstlerbewertung.

Die 1992 geborene Siegerin wurde also von den Mitbewerbern aus den eigenen Reihen gewählt. Umso erstaunlicher, dass „Ich kann nicht“, die im Aufenthaltsbereich eher im blassen Umfeld gehängte fotorealistische Arbeit, mit knappem Vorsprung auch zum Liebling des Publikums wurde. Das Preisgeld: 1500 Euro.

So mancher Live-Wähler hatte wahrscheinlich zunächst einmal schlucken und über seinen Schatten springen müssen, denn das Selbstporträt mit Plastikfolie über dem Kopf stellt viele Fragen, berührt intensiv, verknüpft jugendliche Naivität mit der Aussichtslosigkeit einer Generation – hyperrealistisch und mit großer technischer Klasse. Da überraschte es nicht, dass Kerstin Kraus, die an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg  studiert, auch beim mit 1500 Euro dotierten Mitarbeiterpreis den dritten Platz belegte. Hier lag allerdings Anna Lena Sprandel mit ihrem „Painting Girl“ vorne, einer Arbeit, in der die Preisträgerin unter anderem gekonnt mit den Elementen der Street-Art spielt.

Das Spektrum des Gezeigten zum Thema „Unbegrenzte Möglichkeiten“ reicht von unterschiedlichen Formen der Porträtmalerei bis hin zur Konkreten und Konstruktiven Kunst. Aber auch die Interieurmalerei nahm reichlich Platz ein, und „wir haben selten so viele Badezimmer gesehen“, sagt Andreas Mock lächelnd. Während im vergangenen Jahr übrigens auffällig viele Arbeiten von Kunststudenten aus Stuttgart eingereicht wurden, galt dies in diesem Jahr für Dresden.

Info Die ausgewählten 30 Arbeiten sind bis zum 31. Dezember  bei der Item GmbH, August-Nagel-Str. 22, 89079 Ulm-Einsingen an Werktagen von 8 bis 16 Uhr zu sehen.