Kulturgeschichte Karlsruhe zeigt „Die Etrusker“ als antike Weltbürger

Eines der wertvollen Beispiele etruskischen Kunsthandwerks: die goldene Prunkfibel aus Vulci aus dem 7. Jahrhundert vor Christus.
Eines der wertvollen Beispiele etruskischen Kunsthandwerks: die goldene Prunkfibel aus Vulci aus dem 7. Jahrhundert vor Christus. © Foto: © Staatliche Antikensammlungen und Glyptothek München / Renate Kühling
Lena Grundhuber 16.12.2017

Wenn man sich so umsieht, kann man schon glauben, was einst gemunkelt wurde. Ein ausschweifendes Wohlleben führten diese Etrusker, schrieb der Grieche Diodor. Die Puppen beziehungsweise die Männer ließen sie nach ihrer Flöte tanzen, berichtete der Römer Livius. Und erst die Frauen! Tafelten, mit wem sie wollten. Den Rest kann man sich ausmalen, seien sie doch „äußerst trinkfest und sehr schön“ gewesen, so wird ein offenkundig angeregter Theopomp überliefert.

Tatsächlich findet man Frau und Mann einträchtig beim Bankett liegend vor. Allerdings handelt es sich um Urnen-Skulpturen, und auch die Wandmalerei mit Gastmahl ist eine Grabkammer – im Badischen Landesmuseum hat man die „Tomba della Nave“ aufgebaut. Möglicherweise zeigt das ein Stück Lebenswirklichkeit, vielleicht ist es vor allem eine Jenseits-Fantasie. Wer „Die Etrusker“ wirklich waren, denen die Große Sonderausstellung in Karlsruhe gewidmet ist, wird man von ihnen selbst nicht erfahren. Die erste Hochkultur zwischen Arno und Tiber hat ihre Geschichten ins Grab genommen.

„Es mangelt uns an schriftlichen Zeugnissen“, sagt Kuratorin Susanne Erbelding. Von dieser ausgeprägten Schriftkultur – ihr Alphabet leitete sich vom griechischen ab – seien Inschriften erhalten, jedoch keine literarischen Werke; die Sprache ist nur bruchstückhaft überliefert. Nicht einmal das Geschichtswerk des römischen Kaisers Claudius über die Etrusker wurde tradiert. So bleibt man auf die Interpretationen (und Unterstellungen) aus Rom und Griechenland verwiesen.

Und auf die Objekte, die freilich reichlich entschädigen, wie die Schau im Karlsruher Schloss zeigt. Man habe nicht einfach nur Leihgaben eingeworben, heißt es auf der Pressekonferenz, nein, man habe die ganze Ausstellung zusammen mit den Italienern konzipiert. 95 Prozent der Exponate, darunter viele Grabfunde, kommen aus Museen des Herkunftslands, schließlich geht es dem Landesmuseum aus Kulturgutschutzgründen auch darum, „sauber“ zu bleiben und nur Objekte aus gesichertem Kontext zu präsentieren.

Ausstaffiert mit 400 Exponaten, entführt man nun in den deutschen Sehnsuchtsort Toskana, wie Direktor Eckart Köhne nicht versäumt anzumerken. Der Besucher folgt von den toskanischen Hügeln aus dem Lauf der Zeit, begleitet das „uralte, von allen anderen sich unterscheidende Volk“ (Dionysios von Halikarnassos) von der frühen Eisenzeit im 9. Jahrhundert bis ins 1. Jahrhundert vor Christus, als Rom endgültig obsiegt hatte.

Die Etrusker im Untertitel als „Weltkultur im antiken Italien“ zu apostrophieren, wirkt ein wenig verzwungen globalisiert und auch unnötig. Denn das phönizische Straußenei oder das Salbgefäß aus Syrien belegen ja, dass die Rasenna oder Rasna, wie sich die Etrusker nannten, zu ihren besten Zeiten ein Handelsnetz bis in den Orient unterhielten. An Keramiken kann man ablesen, wie sehr die etruskischen Stadtstaaten unter dem Einfluss Griechenlands standen. Andersherum gelangten etruskische Bronzen bis zu den Kelten.

Auf dem Höhepunkt seiner Macht ab dem 6. Jahrhundert vor Christus kontrollierte der Städtebund weite Teile Italiens und des westlichen Mittelmeers. Die Etrusker besaßen Kanalisation und eine Rechtsordnung, wie die Bronzetafel von Cortona in der Schau illustriert. Sie waren „stink­reich“ (Erbelding) und tiefreligiös, als Seefahrer berüchtigt, als Metallschmiede geschätzt. Die schier unglaublich filigranen Goldschmiedearbeiten machen glänzend klar, wieso. Hochspezialisiert waren die Etrusker im Sehertum, praktizierten nicht nur Vogelschau, sondern auch Blitzlehre und Leberschau, wurden „zu den geübtesten Auslegern von Zeichen“, so Cicero.

So konnte ein Maecenas stolz auf seine etruskische Abstammung sein. Und als die etruskische endgültig in der römischen Kultur aufging, blieb sie lebendig, wie man an der lebensgroßen Skulptur des Avle Metele sieht. Das römische Gewand schlechthin hat wohl einen etruskischen Vorläufer – die Toga.

Große Sonderausstellung

Öffnnungszeiten „Die Etrusker. Weltkultur im antiken Italien“ läuft im Badischen Landesmuseum bis zum 17. Juni 2018. Di bis So 10-18 Uhr. Mehr Infos unter www.landesmuseum.de

Katalog Zur Ausstellung im Schloss Karlsruhe ist das Buch „Die Etrusker. Weltkultur im antiken Italien“ erschienen (Theiss Verlag, 416 Seiten, 500 Abbildungen, 39.95 Euro, in der Museumsausgabe für 29.90 Euro erhältlich).

Digital Das Landesmuseum bietet auch ein E-Learning-Angebot unter www.etrusker.landesmuseum.de