Vor 14 Jahren startete der Organist Stefan Engels beim englischen Label Priory Records ein hoch ambitioniertes Projekt: die Aufnahme sämtlicher Orgelwerke von Sigfrid Karg-Elert (1877-1933) an jeweils verschiedenen Instrumenten. Mit dem vorliegenden Volume 14, eingespielt an der Link/Gaida-Orgel der Ulmer Pauluskirche, kommt das Mammutprojekt nun zum triumphalen Ende. Fast mutet es an, als habe Engels sich das Beste aus dem gewaltigen Orgel-Oeuvre des gebürtigen Oberndorfers bis zum Schluss aufgehoben: die „Sieben Bodensee-Pastelle“ op. 96, entstanden während eines Urlaubs 1921 in Radolfzell, sowie die (einzige) Orgelsinfonie op. 143.

Warum haben Sie die CD in der Ulmer Pauluskirche eingespielt?

Stefan Engels: Die konsequent romantische, klangliche und technisch innovative Ausrichtung der Link/Gaida-Orgel bietet ideale Möglichkeiten für die Darstellung von Karg-Elerts Orgelspätwerken. Dem Komponisten hätte dieses Instrument ohne jeden Zweifel bestens gefallen. Die Klangfarben entsprechen seinen Vorstellungen bis ins allerletzte Detail. Es ist einfach faszinierend, an dieser Orgel Karg-Elerts Musik zu gestalten und immer wieder neu zu entdecken. Man kann sich kaum eine bessere Kombination von Orgel und Musik vorstellen.

Warum assoziiert Karg-Elert seinen Bodensee-Zyklus mit dem Zusatz „Pastelle“?

Pastellfarben sind zart, hell oder pudrig. Mit dieser Charakterisierung entsprechender Klänge auf der Orgel entsteht eine Assoziation zur Musik. In der verhältnismäßig kleinen Gruppe von impressionistischen Orgelwerken nehmen die Bodensee-Aquarelle eine besondere Stellung ein. Der Personalstil des Komponisten findet  zu einer sehr konzentrierten Form, weil Harmonik, Melodik und Satztechnik komplex und vielgestaltig ausgearbeitet sind.

Was zeichnet Karg-Elerts Orgelsinfonie aus?

Die Sinfonie nimmt aufgrund ihrer strukturellen Komplexität und außergewöhnlichen Tonsprache eine Sonderstellung im Oeuvre des Komponisten ein. Und sie verlangt dem Interpreten alles ab: architektonische Übersicht, interpretatorische Gestaltungsvielfalt, kreative Registrierungen sowie eine große Spannbreite an emotionalen Ausdrucksmitteln. Um ein solches Werk adäquat darstellen zu können, braucht es beste Voraussetzungen – und die sind in der Ulmer Pauluskirche gegeben.