Pop Käptn Peng & Die Tentakel von Delphi laden in Stuttgart zur chaotischen Zirkulationsbewegung

Als Musiker nennt sich Robert Gwisdek Käptn Peng. Mit seiner Band Die Tentakel von Delphi flutet er den Pop mit Niveau.
Als Musiker nennt sich Robert Gwisdek Käptn Peng. Mit seiner Band Die Tentakel von Delphi flutet er den Pop mit Niveau. © Foto: Udo Eberl
Stuttgart / Udo Eberl 06.12.2017

Käptn Peng & Die Tentakel von Delphi gehören zur absoluten Speerspitze, wenn es um Textniveau im deutschen Pop geht. Zum Konzert musste die Band jetzt von der bekannten „Manufaktur“ in Schorndorf aus Platzgründen nach Stuttgart umziehen. Auch „Im Wizemann“ hieß es schon bald wie an anderen Orten der aktuellen Tour: ausverkauft. 1300 Fans wollten live erleben, was auf Platte schlicht eine Sensation ist. Wo einst die Kinderzimmer Productions den HipHop intellektuell weiteten, bohren die fünf Herren Genre-Schubladen auf, verwirbeln die Inhalte und bringen sie mit ungebremster Text-Lust auf Schleuderkurs.

Hinter dem abenteuerlichen Bandnamen stehen Robert Gwisdek alias Peng, dank der Eltern Michael Gwisdek und Corinna Harfouch in die Schauspielerei hineingeboren, aber auf der mit Instrumenten vollgestellten Bühne wohl noch mehr zu Hause als im Theater oder vor der Kamera. Preise hat er als Schauspieler dennoch abgeräumt, dazu ein Buch geschrieben und mit dem älteren Bruder Johannes alias Shaban ist er als HipHop-Duo aktiv.

Und nach dem 2017 veröffentlichten Album „Das nullte Kapitel“ gibt es in Del­phi kein Halten mehr. Ungebremst wird der Pop mit Niveau geflutet, das weithin geschätzte Mittelmaß im HipHop relativiert. Kreativität kennt keine Grenzen – Tentakel-Videos sind dafür ebenso Beleg wie der von jeglicher Selbstverliebtheit befreite Wortwitz des Hauptakteurs. Allein mit Kopflampen inszeniert sich die „schüchterne Band unter Freunden“ zu Beginn, um dann alle optischen, vor allem aber auch musikalischen Register zu ziehen.

Die Band rockt, rollt, verkantet sich schräg, legt sich auf HipHop-Beats, alles live gespielt, dazu diese Konzentration fressenden Wort- und Assoziationsmonster und textlichen Verknüpfungen. Wie wohltuend anstrengend. Dann heißt es „Viertel vor Bass“: Über wummernden Tiefen zelebrieren Peng und Shaban im grünen Marsimoto-Nebel HipHop. Absolute Party-Nähe, musikalische Mischverhältnisse. „Die Mutation ist ein freundlicher Vorgang“, versichert Gwisdek, der an diesem Abend nicht nur Luftharmonika spielt, sondern auch zur „chaotischen Zirkulationsbewegung“ im Raum rät, um diverse Schallsphären zu durchlaufen.

Bei Käptn Peng ist alles im Pi, alles im Kreis, Rock-Hydras wuchern, Alternative-Götter rumpeln über den Besucherköpfen, und „wäre die Welt ein Symbol, dann wäre sie eine Spirale“.

Wer vorher noch kein HipHop-Freund war – nach Peng ist er es. Urknallverliebt. Nach dem entlarvenden „MC Homo“ und der „Sockosophie“ erst recht. Das liegt nicht zuletzt an Ansagen wie „Das nächste Lied ist gut. Es handelt von Sachen.“