Musik Justin Timberlake als Dancefloor-Holzfäller

Manchmal eingängig, manchmal schräg.
Manchmal eingängig, manchmal schräg. © Foto: RCA
Los Angeles / Christoph A. Schmidberger 15.02.2018

Lassen wir seine Beteiligung am Soundtrack für den Animationsfilm „Trolls“ mal außer Acht: „Man Of The Woods“ (Sony/RCA), das neue Album von Justin Timberlake, erscheint nach fünf Jahren Studio­pause. Wenn der Superstar dabei auf Fotos im Holzfällerhemd und vor grasenden Pferden seine maskuline Seite betont, ist das zu einer Zeit, in der Bars wie Supermärkte auf hölzern-rustikale Ausstattung setzen und junge Männer an Generäle im Amerikanischen Bürgerkrieg gemahnende Rauschebärte tragen, erstmal allenfalls zeitgeistig.

Der 37-Jährige setzt sich darauf aber auch mit seiner Herkunft aus der Südstaatenmetropole Memphis, Tennessee, auseinander, mit den reichhaltigen musikalischen Einflüssen dieser ländlichen Gegend und seiner Ehe mit Jessica Biel. Dennoch betonte er selbst kurz vor der Veröffentlichung noch, es handle sich nicht um ein Countryalbum. Tatsächlich: In erster Linie bietet Timberlake Popfans in 65 Minuten genau das, was die sich erhofften, nachdem er 2006 mit seinem zweiten Soloalbum „FutureSex/LoveSounds“ die Clubs aufmischte: eine tanzbare, moderne Platte. Produzenten wie Timbaland und The Neptunes (Pharrell Williams & Chad Hugo) versahen diese erfrischende, massentaugliche Mischung aus R ’n’ B, Country, Folk und Pop mit ordentlich Beats und elektronischem Dekor.

Selbst allerlei akustische und elektrische Gitarren behaupten sich im Mix, wie etwa die von Countrystar Chris Stapleton, der auf der Single „Say Something“ im Duett mit Justin Timberlake zu hören ist – eine herrlich eingängige Nummer.

Das lässt sich nicht von allen 16 Titeln behaupten. Andere punkten dafür mit schrägem, experimentellem Sound, der teilweise an die Beach Boys der frühen 1970er erinnert mit deren Mix aus R ’n’ B, Folk und Harmoniegesang. Derlei Vocals im Barbershop-Stil finden sich etwa im auf den Namen seines Sohnes Silas anspielenden Titelstück und in „Flannel“, das als sentimentaler Hillbilly-Gospel durchgeht. „Montana“, ein kühler Dancefloor-Kracher mit Falsettgesang, ist aber mehr Michael denn Alan Jackson. So klingt es, wenn Holzfäller, Waldläufer, Cowboys mit dem legendären Drum-Synthesizer Roland TR-808 rumspielen.

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