Ballett Julia als gehauchter Romeo-Traum in Stuttgart

Alicia Amatriain und Friedemann Vogel.
Alicia Amatriain und Friedemann Vogel. © Foto: Stuttgarter Ballett
Stuttgart / Jürgen Kanold 08.12.2018

Es laufen im Stuttgarter Opernhaus geradezu Prokofjew-(Fest-)Wochen. Nach der Premiere der turbulenten Musiktheater-Komödie „Die Liebe zu drei Orangen“ aus der USA-Zeit des russischen Komponisten tanzt das Stuttgarter Ballett jetzt wieder seinen Ur-Klassiker „Romeo und Julia“ – Sergej Prokofjew schuf diese hochdramatische Musik Mitte der 30er Jahre nach seiner Rückkehr in die Sowjetunion. Spannend, das enorme Stil- und Klangspektrum dieses Großmeisters zu erleben – vor allem weil das Staatsorchester Stuttgart sich unter Mikhail Agrest auch fürs Ballett mächtig engagierte.

Wobei natürlich das Publikum wegen John Crankos unverwüstlich märchenhafter, burlesk wie dramatisch den Stoff erzählender Choreografie ins Opernhaus strömt. Und weil eine Weltklasse-Compagnie tanzt (und die Herren perfekte Fechtszenen zeigen wie in Hollywood-Filmen). Es ist Ballettgeschichte live, gewissermaßen ein denkmalgeschütztes Erbe:  Im Dezember 1962 fand die Uraufführung statt, im Museum aber schaut man sich seine Lieblingsbilder auch immer neu an.

Auch Tamas Detrich, der neue Intendant des Stuttgarter Balletts, pflegt die Tradition. Die Aufführungsserie eröffneten in den Titelrollen Friedemann Vogel und Alicia Amatriain – es folgen noch David Moore und Miriam Kacerova sowie Jason Reilly und Anna Osadcenko; an Top-Solisten herrscht kein Mangel. Riesenapplaus. Grandios trat Alica Amatriain auf: in schwereloser Grazie, Julia als wie hingehauchter Romeo-Traum.

Das Bühnenbild, klar, ist in seinem Naturalismus längst verblasst. Aber es bleibt eine Stuttgarter Ikone. Die Ballettfans sind schon höchst neugierig, wenn Jürgen Rose (81), der vor 56 Jahren „Romeo und Julias“ ausstattete, in dieser Saison wieder nach Stuttgart kommt, um Kenneth MacMillans „Mayerling“ opulent zu bebildern.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel