Festspiele Jubel und Buh-Rufe in Bayreuth

Bayreuth / dpa 30.07.2018

Nach einem politischen „Parsifal“ geht es noch politischer weiter bei den Bayreuther Richard-Wagner-Festspielen: Barrie Koskys Version der „Meistersinger von Nürnberg“ wird am Samstagabend vom Publikum in einer Art gefeiert, wie es ungewöhnlich ist auf dem Grünen Hügel: Trampeln, Bravo-Rufe, regelrechte Jubelschreie, einige Zuschauer hält es nicht auf ihren Sitzen. Allerdings gibt es auch Buh-Rufe für den Intendanten der Komischen Oper Berlin, der als erster jüdischer Regisseur in die Festspiel-Geschichte eingehen dürfte.

Allein die Personalie Kosky ist  schon ein Politikum, doch auch inhaltlich ist seine Inszenierung, die er seit ihrer Premiere im vergangenen Jahr leicht verändert hat, hochpolitisch. Er stellt den viel diskutierten Antisemitismus Richard Wagners in den Mittelpunkt und bringt ein Plädoyer gegen Fremdenhass und für Toleranz auf die Bühne. Dafür nur ein Beispiel: In Koskys Inszenierung hängt eine Uhr an der Wand des Nürnberger Gerichtssaals. Sie dreht sich erschreckend schnell rückwärts. Als sie schließlich stehen bleibt, ist es Viertel vor zwölf.

Klaus Florian Vogt, in den vergangenen Jahren als Lohengrin und Parsifal auf dem Grünen Hügel zu hören, wurde als Walther von Stolzing gefeiert. Das galt auch für Johannes Martin Kränzle als zentrale Figur des Juden Sixtus Beckmesser und Philippe Jordan am Pult für sein eher zurückhaltendes Dirigat.

Größer war der Jubel nur für Michael Volle als Hans Sachs, der das insgesamt schon hervorragende Sänger-Ensemble mit seiner Präsenz und Stimmgewalt noch einmal um Längen überragte.

Nur eine Liebesgeschichte

Gegen die hochpolitische Kosky-Inszenierung war Katharina Wagners düsterer, auswegloser „Tristan“ eine Liebesgeschichte – nicht mehr und nicht weniger. Die Regisseurin und Festspiel-Chefin wurde am Freitagabend dafür wieder einmal ausgebuht, heftiger noch als in den Jahren zuvor.  Dabei war ihre Interpretation der großen Liebes-Oper ihres Ur-Opas Richard Wagner in ihrem ersten Jahr 2015 noch gefeiert worden. Jubel gab es  nur für den musikalischen Teil der Aufführung. Stephen Gould und Petra Lang in den Titelrollen wurden gefeiert, ebenso René Pape als König Marke und vor allem Dirigent Christian Thielemann. Er steht in diesem Jahr sogar zweimal am Pult, hat bereits die Eröffnungspremiere des „Lohengrin“ am Mittwoch dirigiert.

Als Wiederaufnahmen folgen heute und morgen noch „Der fliegende Holländer“ und „Die Walküre“. Die Bayreuther Festspiele enden am 29. August.

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