Pop Joo Kraus meets Max Mutzke: „Wir geben alles!“

Umjubelte Duelle der Frontleute: Max Mutzke und Joo Kraus im Roxy.
Umjubelte Duelle der Frontleute: Max Mutzke und Joo Kraus im Roxy. © Foto: Udo Eberl
Ulm / Udo Eberl 21.12.2017
Joo Kraus meets Max Mutzke, das war viel mehr als das Miteinander eines Spitzentrompeters und großartigen Sängers.

„Es kam so, wie es kommen musste: Das Konzert „Joo Kraus meets Max Mutzke“ war Wochen vorher ausverkauft, 650 Besucher in der Roxy-Werkhalle, eine lange Eisbein-Schlange vor den Türen. Die Musiker hatten sich nicht sattproben können. Zu schön, was sie selbst bei der „sprudelnden“ Vorbereitung aufs Konzert schon an Musikerlebnis erfahren durften. Joo Kraus selbst konnte die Fans – inzwischen wieder aufgewärmt oder emotional abgekühlt – mit geradezu entwaffnendem Charme und Witz sofort mit ins Boot holen, nachdem er mit einem echofizierten Jooleo-Solo und einer wortwörtlich pfiffigen Nummer den Grundstein für diesen besonderen Abend gelegt hatte.

Schwarz-glitzernde Joo-Jacke und rote Schuhe, tonal trotz krankheitsbedingter Auszeit sofort in der Spur, legte er mit seinem personell an der Bassposition mit Jens Loh veränderten „Tales in Tones“-Trio mit eigenen Hits los. An den Drums Torsten Krill, am Piano mit Ralf Schmid ein alter Bekannter, sein „altes Kreuzfahrtschiff an den Tasten“, wie Kraus meinte. Die erste Klatsch­runde war bei diesem mitreißenden „JooJazz“ schnell eingeläutet. Satt klang das. „Hochqualitative Opener“ wie der Bläser selbst schmunzelnd meinte.

In Stützstrümpfen arrangiert

Doch da ging noch mehr. Und wenn man „keine Kosten und Mühen scheut“ und sich vor dem Konzert einen „Wahnsinnskopf macht“, dann kann man auch Max Mutzkes Wunsch, Streicher einzubinden, erfüllen. Joo Kraus hatte, Glück im Unglück, „im Krankenbett in weißen Stützstrümpfen“ die Arrangements schreiben können. Und zurückgelehnt und auszeitig gut klangen diese Stücke dann auch.

Mutzke konnte sich zumindest sogleich in ein wohlharmonisches Bett fallen lassen, das ordentlich swingte, und sorgte fortan mit für einen „Outstanding-Abend“. Was für eine Stimme. Gerne mal hoch greifen. Nahe am jungen Stevie Wonder mit noch mehr Jazzappeal. Da ging vokalistisch alles. Auch im Blindflug ohne Monitorsound im Ohr. Er hat’s drauf. Und er gab launig die Spielregeln vor: „Wir wollen alles von Euch, nur keine Flaschen und Gläser. Lasst es raus.“

Es sollte so manches humoreske, höchst sympathische Ansage-Gefecht der beiden Frontleute folgen, aber es gab wie in „You“ auch famose leise Töne. Mutzke in dreireihiger Präsenz von Streichern umsäumt. Berührend schön. Der rappende Joo, der schwäbelnde Max, die sensationelle Kopfstimme – da gab’s schon während des Konzerts Ovationen eines stehenden Publikums. Klar doch, wenn ein Song des Herrn Kraus mit Vocoder-Stimmveränderung und im Streichergewand fast schon beatlesk klang.

Aber da waren noch mehr Schippen, die draufgelegt werden konnten: „Can’t Wait Until Tonight“, das Debüt Mutzkes. Danach hieß die Max-Devise nur noch: „Ihr gebt alles, und wir geben alles!“ Was für Solo-Duelle zwischen den beiden Hauptakteuren. Und bei „Schwarz auf Weiß“ durften dann tatsächlich die Frauen kreischen und zu „So viel mehr“ dann allesamt komplett ausrasten – in ihren Möglichkeiten.

Das Publikum jubelte und „joolte“, wollte mehr.  Und das gab’s mit zwei Klassikern, die unterschiedlicher kaum sein konnten: James Browns „It‘s a Man‘s Man‘s Man‘s World“ mit einem erneut furiosen Mutzke und trotz Kitsch-Alarms „Stille Nacht, Heilige Nacht“, von Joo Kraus und den Streichern derart fein hingezaubert, dass feuchte Augen in dieser Vorweihnachtszeit tatsächlich nicht zu vermeiden waren. Kann man nur hoffen, dass dieses Doppelpack noch viele andere Musikfans live erleben dürfen. Da haben sich zwei gesucht und gefunden.

Herzstücke und Joobiläum

Auftritte Die Abende des Ulmer Startrompeters Joo Kraus mit unterschiedlichen Gästen im Café Animo heißen nicht nur „Herzstücke“, sie sind es auch. Bereits zum neunten Mal gab’s ein Aufeinandertreffen mit Wunschpartnern. Aber natürlich gibt’s da auch Künstler, die jeden Publikumsrahmen sprengen würden. Im Rahmen seines „Joobiläums“ – ja, auch der ewig jungspundliche Joo Kraus  musste mal 50 werden – konnte mit der Unterstützung der Stadt Ulm auch Größeres gewagt werden. Wobei: Wo ist bei Joo Kraus, dem Dauergaranten für feinste Live-Qualität, noch das Risiko, zumal, wenn ein gewisser Max Mutzke mit auf der Bühne steht? udo

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