Furtwangen Johannes Löffler: 20 Jahre alt und mittendrin

Furtwangen / SABRINA SCHATZ 15.05.2015
Joznez ist einer der derzeit erfolgreichsten Musikproduzenten der deutschen Hip-Hop-Szene. Der 20-jährige Furtwanger, der eigentlich Johannes Löffler heißt, erzählt von frühem Ehrgeiz und Erfolg.

Deutscher Rap ist populär wie nie. Farid Bang, Olexesh oder KC Rebell belegen regelmäßig die vorderen Plätze der Charts. Doch nicht der komplette Song entspringt ihrem eigenen künstlerischen Schaffen. Zwar stammen Text und Sprechgesang von den Rappern, die im Rampenlicht stehen. Doch um die Bässe, Beats und Melodien, welche die Basis dafür bilden, kümmern sich meist andere. Johannes Löffler zum Beispiel - in der Branche bekannt als Joznez. Der gerademal 20-Jährige ist selbstständiger Produzent und beliefert die Größen des deutschen Hip Hops.

Die anderen Café-Gäste halten den Furtwanger wahrscheinlich für einen ganz normalen Jugendlichen. Cool, aber unaufgeregt: Seine blondierten Haare sind an den Seiten abrasiert, er trägt eine graue Kapuzenjacke, nippt an einem Cappuccino. Doch in seinem Alter hat er mehr erreicht, als viele eingesessene Musiker. Mancher mag sich nun denken: So einen Erfolg bringt nur der Zufall - hat der Bursche eben Glück gehabt. Aber so war es nicht. "Dahinter steckt jahrelange Arbeit", sagt Löffler.

Er wollte schon im Kindergarten ständig Musik machen. Mit sieben Jahren lernte er, Keyboard zu spielen. Manchmal kam ihm eine Melodie in den Sinn und er klimperte einfach drauflos. Mit seinem älteren Bruder hörte er Techno von Scooter und Starsplash, elektronische Musik gefiel ihm schon damals. Mit zwölf entdeckte Löffler, wie man mit dem Computer digitale Produktionen erstellen kann. Sein Cousin zeigte ihm zwar einige Kniffe, meist aber experimentierte er. Learning by doing also. Was er zu dieser Zeit kreierte, sammelte er auf seinem Rechner oder MP3-Player. "Es war nicht nur ein Hobby. Ich strebte an, das später beruflich zu machen."

Mit 16 lernte er die bereits etablierten Produzenten KD-Beatz aus Villingen-Schwenningen und B-Case kennen. Beide hatten nicht nur viele Kontakte, sondern erkannten auch Löfflers Talent. Gemeinsam schickten sie ein paar Instrumentals an den damals noch weniger bekannten Rapper Farid Bang. Der fand den Sound gut. Was folgte, war die erste gemeinsame Veröffentlichung: der Song "NRW".

"Das war mein Türöffner", sagt Löffler rückblickend.

Mit einer solchen Referenz im Rücken, schrieb er andere Rapper auf Facebook an. "Manche haben mich wegen meines Alters nicht ernst genommen. Aber ich bin drangeblieben", sagt Löffler schmunzelnd. Nach dem Abitur wollten die Eltern, dass der Sohn studiert, etwas mit Tontechnik. "Aber Abschlüsse sind in der Musikbranche nicht maßgeblich. Können ist wichtiger als Harmonielehre", argumentiert Löffler. Gemeinsam vereinbarten sie eine Frist von einem Jahr, um zu sehen, "wohin es geht".

Aus dem einen Jahr wurden mehrere. Löffler fasste als hauptberuflicher freier Produzent Fuß. Da sein Cousin schon länger ein Musikmanagement führte, Stars wie DJ Antoine kannte und Potenzial in seinem Verwandten sah, bot er sich als Manager an. Gelegentlich arbeitete Löffler - fortan unter dem Pseudonym Joznez - mit Kollegen wie Johnny Illstrument dem Hausproduzenten des Labels Selfmade Records. 2014 unterschrieb er einen Verlagsdeal mit Buddemusic in Berlin.

Der Großteil von Joznez' Aufnahmen entsteht in seinem kleinen Heimstudio, das er sich eingerichtet hat. Dort spielt er alle Stimmen mit dem Keyboard selbst ein. Das sei schneller und einfacher, als digital Note für Note zu komponieren oder fertige Samples zu ziehen. Allein wegen des Urheberrechts bewähre sich sowas nicht, erklärt Joznez. Sollte er Gitarrenklänge brauchen, lädt er lieber Musiker ein und erklärt ihnen, was er sich vorstellt. Mal brauche er nur ein paar Stunden für ein Instrumental, mal dauert es Tage, auch Nächte, bis er zufrieden ist.

Was genau das Besondere an Joznez-Produktionen ist? "Gute Frage. Sie haben Power, gehen nach vorn. Und ich probiere viel aus." Denn der künstlerische Part sei wichtiger als der technische. Den könne man lernen, aber ohne Idee sei man von vornherein limitiert. Zudem hilft Joznez sein Gehör, das er mit der Zeit geschult hat. Er hört Songs nicht nur, sondern analysiert sie: Wie wurde das gemacht? Und kann ich das auch?

Auf die teilweise derben, nicht ganz jugendfreien Rap-Texte hat Joznez keinen Einfluss. "Ich kann mich nicht immer damit identifizieren", verrät er. Aber das sei auch nicht zwingend das Ziel eines jeden Musikers. Ein Rap-Song sei wie ein Action-Film: "Den nehmen die Zuschauer auch nicht für bare Münze. Es geht um Entertainment, vieles ist überspitzt."

32 Songs hat Joznez im vergangenen Jahr produziert. 15 davon landeten prompt in den Top-Ten der Albumcharts, einige sogar auf Platz eins. 2015 will er diesen Erfolg noch toppen: Bis jetzt sind gut 30 Lieder entstanden. "Ich komm nicht hinterher - zu viele Anfragen, zu viele Ideen". Pop interessiere ihn einfach. Ein Release in den USA sei sein Traum. Mit 20 Jahren hat er auch noch genug Zeit, um seine Ziele zu erreichen.

Who's who des Rap

Zusammenarbeit Die Rapper, mit denen der Furtwanger Produzent Johannes Löffler zusammenarbeitet, liest sich wie ein Who's who des deutschen Hip Hop: Kollegah, Farid Bang, Y-Titty, Kc Rebell, Haftbefehl, Majoe . . . Auf Löfflers Homepage (www.joznez.de) finden sich eine ganze Reihe von Klangbeispielen.

 

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