Malerei Johanna Staniczek stellt in Scanplus aus

Die Bilder wirken dramatisch aufgeladen.
Die Bilder wirken dramatisch aufgeladen. © Foto: Udo Eberl
Ulm / käl 10.08.2018

Es ist ein großer Unterschied, ob ein Maler vor Ort, also im Freien, malt oder ob die Leinwand im Atelier steht. Johanna Staniczek malt die Naturbilder und ausschnitthaften Industrieanlagen im Atelier – ohne Vorlagen, aus der Erinnerung. Die ist nicht nur dem zeitnahen Erleben verpflichtet, sondern reicht tief in die Vergangenheit der Erfahrung zurück. Folgt man der in die Ausstellung bei Scanplus einführenden Bettina Güldner aus Berlin, dann reicht sie zurück bis zum Geburtsort in Polen oder zur Übersiedlung nach Süddeutschland.

Es sind also Erinnerungsbilder, die die Malerin, die seit 2001 eine Professur an der Justus-Liebig-Universität in Gießen inne hat, mit ihrer meist expressiven Malhaltung schafft. Dass es ihr nicht allein um das Naturmotiv geht, zeigt schon die bisweilen enorm vergrößerte Darstellung einer Küchenschelle oder eines Kohlröschens. Dabei scheint die Küchenschelle vor einem Nachthimmel gemalt und in ihren hellen, silbrig-weißen Teilen von Licht durchflutet zu sein, ohne dass man eine Lichtquelle ausmachen könnte. Die Pflanze selber scheint zwar ruhig dazustehen, das ganze Bild aber wirkt durch die Lichtführung und Vergrößerung dramatisch aufgeladen.

Als wäre das der Künstlerin etwas zu viel Dramatik, hat sie der Komposition einen zweiten Teil in Form einer monochrom schwarzen Tafel beigehängt. Derartige konzeptuelle Elemente verwendet sie öfter. Die strahlen nicht nur Ruhe und Bildtiefe aus, sie führen dem Betrachter vor, dass vor ihm ein gemaltes, konstruiertes Bild hängt und nicht Natur. Diese bildnerischen Mittel können analog zu den biografischen Erinnerungsmomenten als kunsthistorische Erinnerungen oder Bezüge gelesen werden.

Staniczeks bei Scanplus gezeigte Werke reichen zurück bis in die 1980er Jahre und zeigen eine stringente Entwicklung der malerischen Mittel. Allein die jüngsten Bilder verwundern etwas, wenn der Betrachter plötzlich vor Himmel- oder Wolkenbildern steht, die kaum mehr etwas von diesem Antagonismus „schöne, bedrohliche und dramatische Natur“ in sich bergen.

Diese „Himmel-Anordnung“, wie Johanna Staniczek die Präsentation der Bilder nennt, wirkt zu uninspiriert brav und scheint dabei allzu sehr einer ausgeklügelten Konzeption zu folgen. 

Info Bis 4. Oktober in der Scanplus-Galerie, Mo-Fr 9-12 und 13-16 Uhr.

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