Köln Jeder kann sich Kunst leisten

Alle Spielarten von Kunst sind auf der Art Cologne vertreten, die heute in den Deutzer Messehallen am Rheinufer zu Ende geht: hier ein Mode-Model auf einer schmucken Wandtapete. Fotos: Gerda Meier-Grolman
Alle Spielarten von Kunst sind auf der Art Cologne vertreten, die heute in den Deutzer Messehallen am Rheinufer zu Ende geht: hier ein Mode-Model auf einer schmucken Wandtapete. Fotos: Gerda Meier-Grolman
Köln / BURKHARD MEIER-GROLMAN 22.04.2013
Die Art Cologne ist die weltweit älteste noch bestehende Messe für zeitgenössische Kunst. Der Mönchengladbacher Galerist Dietmar Löhrl spricht über seine Erfahrungen mit dem Messeplatz Köln.

Bis zum heutigen Montag läuft es in Sachen zeitgenössische Kunst in den Messehallen am Deutzer Rheinufer wieder rund. Millionenwerte sind in den Kojen, die Besucher strömen. Die zur Messe eingeladenen Kunsthändler haben gut zu tun, die Wissbegier des Publikums nach Künstlern und Kosten zu befriedigen. Und gekauft wird auch, wie die roten Punkte an den Ständen anzeigen.

Das Angebot? Bei den ganz großen Namen wie Sigmar Polke, Gerhard Richter oder Joseph Beuys wird ganz schnell die Schallgrenze von 1000 Euro überschritten. Ein Exemplar von Richters "Blattecke" von 1967 kostet bei der Mönchengladbacher Galerie Löhrl schon 3400 Euro. Von dort geht es ganz schnell auf Millionen-Höhen, bei Henze & Ketterer wird Ernst Ludwig Kirchners wunderbares "Straßenbild vor dem Friseurladen" von 1926 für satte 3,75 Millionen ausgeschrieben. Was sagt einer, der schon seit 1977 dabei ist, zu diesen Messeumtrieben? Fragen an Dietmar Löhrl, der mit seiner 1975 gegründeten Galerie zu den Urgesteinen der Art Cologne gehört.

Sie haben hier in Köln die erste große Skulpturengruppe von Stephan Balkenhol an den Sammler Peter Ludwig verkauft und damit die Karriere ihres Hauskünstlers so richtig angestoßen. Sind solche Messeplätze die wichtigsten Stützpfeiler in der Überlebensstrategie der Kunsthändler?

DIETMAR LÖHRL: Das kann man sagen. Tausende von Besuchern können das Angebot der 200 teilnehmenden Galerien sichten und sich intensiv damit beschäftigen. Die Aussteller freuen sich auf entsprechende Beratungsgespräche. Eine so große Zahl von Interessenten in so kurzer Zeit erreichen wir über die Galerie nicht. Und da die Qualität des Angebots stimmt, sind dann auch die Messeverkäufe entsprechend erfolgreich.

In Sachen Kunstmessen gab es wegen der Finanzkrise etliche Turbulenzen, Frankfurt hat seine Kunstmesse abgeschafft, Düsseldorf und Berlin haben dichtgemacht, Köln hat mächtig gewackelt. Herrscht jetzt überall wieder Friede, Freude, Eierkuchen?

LÖHRL: Kunstmessen kommen und gehen. Wenn sie zu früh, zu schnell und zu wenig durchdacht gegründet werden, kränkeln sie nach kurzer Zeit. Das wird sich wohl auch fortsetzen. Die Art Cologne als älteste Kunstmesse der Welt hat sich in 46 Jahren selbstverständlich ebenfalls verändert und musste es auch. Sie ist heute besser denn je international ausgerichtet auf wirklich hohem Niveau.

Hierzulande gibt es nur noch zwei fest etablierte Messen, die Art Karlsruhe und eben die Art Cologne. Und wie sieht das mit der Art Basel aus? LÖHRL: Alle haben ihre Zielgruppe gefunden und tun sich gegenseitig nicht weh.

Im Moment schöpfen vor allem die Auktionshäuser den Rahm im Kunstgeschäft ab, die Kunst verkommt ja mitunter zur reinen Spekulationsmasse. Das muss einen Galeristen doch mächtig schmerzen - oder?

LÖHRL: Allerdings! Vor allem, weil sich die Medien auf die Auktionen konzentrieren und deren spektakulärste Ergebnisse. Das vermittelt ein völlig schiefes Bild vom Kunstmarkt. Denn dazu gehört viel mehr. Hunderte von Galerien bauen ihn mit auf und fördern neue Künstler, konsequent und über lange Zeit. Zu unterschiedlichsten Preisen. Es geht nicht nur um Millionen.

Millionensummen schwirren durch den Raum, ist da ein Besucher der Art Cologne überhaupt noch in der Lage, ein qualitätsvolles Objekt für eine Handvoll Euros zu erstehen?

LÖHRL: Aber sicher. Die allermeisten Aussteller haben Arbeiten dabei aus Preisregionen, die sich jeder leisten kann. Man muss sich nur umsehen. Das macht doch Spaß - auf eigene Faust losgehen und etwas entdecken. Sich selbst ein Urteil bilden und nicht nur darauf achten, was man liest und hört.

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