INTERVIEW: Auf die innere Stimme hören

Der Cellist Daniel Müller-Schott hat Werke Brittens auf CD eingespielt.
Der Cellist Daniel Müller-Schott hat Werke Brittens auf CD eingespielt.
JÜRGEN KANOLD 15.02.2013
Der Münchner Cellist Daniel Müller-Schott (36) gehört zu den Klassik-Stars. Auf CD hat er jetzt Benjamin Brittens "Cello Symphony" eingespielt.

Was zeichnet die Musik Benjamin Brittens besonders aus?

DANIEL MÜLLER-SCHOTT: Für mich ist es vor allem Musik, die sich nicht vordergründig erschließt. Sie besitzt eine Doppelbödigkeit, lässt verschiedene Lesarten zu, weckt Assoziationen. Mich zieht auch die Düsterheit dieser Klänge an. Und für einen Cellisten ist es hoch faszinierend, wie Britten alle technischen Möglichkeiten dieses Instruments entfaltet.

Sie haben auch die Cello-Suiten Brittens auf CD eingespielt. Welche Herausforderungen stellen sie an den Interpreten?

MÜLLER-SCHOTT: Britten wollte durchaus ein Äquivalent zu Bachs sechs Solo-Suiten schaffen. Traurigerweise konnte er sein Projekt nicht vollenden, als er 1971 nach Moskau reiste und seine dritte Solo-Suite in C-Dur als Gastgeschenk mitbrachte. Da war er schon schwer krank. Britten komponierte seine Suiten durchaus in Anlehnung an barocke Formen. An der Harmonik lässt sich ablesen, dass Britten zwar seinen Bach gut studiert, aber eine gegenwärtige Musiksprache gefunden hat. Der Hörer braucht etwas Zeit, um sich auf Brittens Suiten einzulassen, aber um so erfüllender ist es, wenn man erlebt, wie sich eine neue Klangwelt emotional öffnet.

Auf Ihrer neuen CD spielen Sie die Cello-Sinfonien von Prokofjew und Britten, beide Komponisten haben ihr Werk Mstislaw Rostropowitsch gewidmet. Hat man da beim Einstudieren die Legende im Ohr?

MÜLLER-SCHOTT: Ja, doch. Ich habe als Schüler von Rostropowitsch ihm die Werke im Unterricht vorgespielt. Wenn ich heute die Partituren studiere, kommen mir seine Worte in den Sinn: Er hat die Musik nie aufs Technische reduziert, sondern die Gedanken und Emotionen verfolgt. Und er beschrieb den Ausdruck der Musik in Bildern: ein Tier, das angreift, beispielsweise . . .

Und wie findet ein gestandener Interpret dann seinen eigenen Weg?

MÜLLER-SCHOTT: Man muss auf seine innere Stimme hören und versuchen, die Musik mit seiner eigenen Persönlichkeit auszudrücken.

Info Die Britten-CDs sind bei Orfeo erschienen. Nach seiner Japan-Tournee ist Daniel Müller-Schott am 25. Februar in der Stadthalle Reutlingen zu erleben.