Baden-Baden Interview mit Primaballerina Uljana Lopatkina

Baden-Baden / SUSANNE KUPKE, DPA 23.12.2013
Uljana Lopatkina (40) vom St. Petersburger Mariinski-Ballett zählt zu den besten klassischen Tänzerinnen der Welt. Vor ihrem Auftritt in Baden-Baden verrät die Primaballerina ihr Erfolgsgeheimnis.

Prima-Ballerina assoluta zu sein, ist der Traum vieler tanzbegeisterter Mädchen. Wie sieht die Realität aus?
ULJANA LOPATKINA: Das ist tägliche Arbeit, nicht nur körperlich, sondern auch geistig und seelisch. Und weil Ballett eine Kunst ist, nimmt die kreative Arbeit den ersten Platz ein und hilft auch, die Schwierigkeiten der körperlichen Anspannung zu übermalen.

Was ist nötig, um ganz an die Spitze zu kommen?
LOPATKINA: Zielstrebigkeit und Ausdauer - und viel Arbeit am Instrument, das bei einer Ballerina der eigene Körper ist.

Ist strenge Diät nötig?
LOPATKINA: Die Ernährung muss reich an Vitaminen und Mineralien sein. Schlank bleibt man wegen der vielen Proben und Aufführungen fast von allein. Nach dem Urlaub braucht eine Ballerina aber manchmal eine Diät.

Wie groß ist der Druck und inwiefern belasten Eifersüchteleien von anderen Tänzerinnen?
LOPATKINA: Unser Beruf ist nicht arm an Wettkämpfen und Konkurrenzgebahren. Das hilft aber auch, sich immer wieder anzustrengen und es hilft, die hohe Qualität der eigenen Darbietung sicherzustellen. Was jedoch Misstrauen und Eifersucht betrifft: Diese zwei haben schon immer die Menschheit gequält, auch in unserer Zeit ist es keine Ausnahme. Das muss man zuerst mit sich selbst auskämpfen und es nicht nur bei anderen bemerken.

Wie fühlen sich Ihre Füße am Ende eines Tanzabends an?
LOPATKINA: Für einen Ballettmenschen ist der Feierabend unzertrennlich mit der absoluten physischen Müdigkeit verbunden. Aber daran gewöhnt man sich schnell und nimmt es als die Norm.

Wie lässt sich Ihr Beruf mit der Familie vereinbaren?
LOPATKINA: Mein Privatleben ist meine Familie. Wenn in der Familie Freundschaft, Wärme und Liebe herrscht, dann wird der Mensch glücklich - er fühlt sich beschützt. Damit die Liebe nicht verwelkt, muss man sie aber pflegen und auch selbst daran arbeiten.

Will Ihre elfjährige Tochter Mascha auch Tänzerin werden?
LOPATKINA: Meine Tochter findet meinen Beruf sehr schwierig. Als sie die Ballettschule besucht hat, hat sie oft traurig davon gesprochen, dass es ihr sehr schwerfällt zu tanzen und dass sie auch Schmerzen hat. Seitdem zieht sie das Malen und das Musikmachen vor. Ich finde, jeder hat seine eigene Berufung, die er auch spät finden kann.

Wie politisch dürfen russische Staatstänzerinnen sein? Bewegt Sie als gebürtige Ukrainerin das Geschehen in der Ukraine?
LOPATKINA: Ich bin Russin. Egal wie widersprüchlich und schwierig das Leben und das Schicksal Russlands ist - es ist meine Heimat. Ich bin ein patriotischer Mensch und mache alles für mein Land. Von jedem Bürger hängt ab, was er für sich, für seinen Nächsten und für seine Heimat machen kann. Ich hoffe sehr, dass das Gute in unseren Herzen siegt und unser Leben heller und glücklicher wird. Wenn jeder Mensch mit seinem Geist und Herz für sein Land arbeitet, wird es für ihn leicht zu erkennen sein, was seinem Land Vorteil und was seinem Land schaden kann. Ich wünsche allen, dass sie die richtige Entscheidung für sich treffen und dass sie dabei auch an ihre Kinder, Eltern, Verwandte und Freunde denken.

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