Berlin Interview mit Florian Drücke: Streaming bleibt Trend beim Musikhören

Florian Drücke.
Florian Drücke. © Foto: BVMI/Markus Nass
Berlin / CAROLINE BOCK, DPA 27.12.2013
Die CD ist tot? Von wegen. Besonders im Weihnachtsgeschäft ist der Tonträger beliebt. Für 2013 hofft die Musikindustrie auf eine schwarze Null.

Für den Bundesverband Musikindustrie war 2013 kein Jahr zum Jammern: Geschäftsführer Florian Drücke spricht im Gegenteil von reichlich Optimismus, der innerhalb der Branche herrsche. Zudem beobachtet er eine große Offenheit, Neues auszuprobieren. Dazu gehört auch das Geschäft mit sogenanntem Streaming. Das bezeichnet die Möglichkeit, im Internet digital abgespeicherte Musik-Archive für meist weniger als zehn Euro im Monat zu hören, ohne die Audiodateien auf den eigenen Computer, Tablet oder das Smartphone herunterzuladen. Derartige Angebote etwa von Spotify, Deezer, Musicload, Ampya und anderen bleiben wohl weiter im Trend. Experten prognostizieren dem Streaming bis 2017 einen Anteil von 18 Prozent am digitalen Musikmarkt.

Welche großen Trends verzeichnete die Musikbranche im Jahr 2013?
FLORIAN DRÜCKE: Musik deutschsprachiger Künstler war auch im Jahr 2013 einer der maßgeblichen Trends, wobei neben Pop und Schlager vor allem im deutschsprachigen HipHop und Rap aktuell eine starke Dynamik zu beobachten ist. Eine große Nachfrage konnte aber auch die Klassik verbuchen. Hier haben vor allem das Wagner- und Verdi-Jahr deutliche Akzente gesetzt. Bei der Nutzung von Musik ist das Streaming in aller Munde. Mit den vielen Anbietern, die in diesem Jahr neu dazugekommen sind, erleben wir momentan eine Wachstumskurve im hohen zweistelligen Bereich.

Was kommt 2014?
DRÜCKE: Erst einmal hoffen wir, 2013 mit einer schwarzen Null, vielleicht sogar wieder mit einem kleinen Wachstum, abzuschließen. Bereits zum Halbjahr konnten wir erstmals seit mehr als einer Dekade rückläufiger Ergebnisse wieder ein leichtes Plus vermelden, insofern sind unsere Hoffnungen nicht unbegründet. 2014 wird sicher das Streaming weiter von sich Reden machen. Mit der zunehmenden Marktabdeckung der Smartphones wird dabei vor allem auch die mobile Musiknutzung erneut zunehmen. Es gibt viel Optimismus in der Branche und eine große Offenheit, Neues auszuprobieren. Bei der aktuellen Dynamik im Markt wird der Blick in die Glaskugel aber schon auf kurzer Distanz sehr verschwommen.

Ist die CD tot?
DRÜCKE: Das Gegenteil ist der Fall: Die CD macht nach wie vor mehr als zwei Drittel der Musikumsätze in Deutschland aus und ist immer noch sehr gefragt. Das erleben wir vor allem im laufenden Weihnachtsgeschäft: Neben den Zuwächsen im digitalen Bereich schneiden vor allem die physischen Produkte erstaunlich gut ab. Während es kaum noch jemanden wundert, dass die Schallplatte immer weiter dreht, zeigt der Novembertrend auch bei den CDs und den DVDs ein stabiles Marktgeschehen. Wobei vor allem die hochwertigen Mehrfachboxen, die seit 2010 Wachstum verzeichnen, erneut um rund neun Prozent zulegen konnten.

Zur Person vom 27. Dezember 2013
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