Ulm Imaginary War: Tanz mit den Dämonen

Drei Jahre arbeitete Joki Schaller am Album „The Verge“.
Drei Jahre arbeitete Joki Schaller am Album „The Verge“. © Foto: Imaganary War
UDO EBERL 20.07.2016

Fast drei Jahre arbeitete der Ulmer Komponist und Produzent Joki Schaller im heimischen Studio an den Songs des Albums „The Verge“, von denen einige dann noch in den legendären Hansa Studios in Berlin veredelt wurden. Nun ist das zweite Werk der Band online zu haben, als greifbarer Tonträger auch direkt auf der Homepage der Band. Schaller, der einst bei den Volles-Brett-Rockern „Semtex“ die langen Dreadlocks über der Gitarre wedelte und seine Stimmbänder  ebenso verausgabte, trägt sein Haupthaar mittlerweile rasiermesserkurz, und sein vokalistischer Weg führt singend in Höhenbereiche, von denen er in seinen schwermetallischen Jahren nicht einmal zu träumen wagte.

Die Band, die man zuletzt auch in London, Paris oder Berlin live erleben durfte, steckte jede Menge Arbeit in das Album, um mit neuen Songs im Gepäck auch wieder mehr live spielen zu können. „Nahezu 120 Ideen und musikalische Schnipsel waren die Grundlage für ,The Verge’. In der Liebe zum Sounddetail kann ich mich wirklich verlieren“, sagt Schaller, der schon mal einen Tag investieren kann, wenn der Klang noch epischer oder die Melodien noch eine Spur emotionaler werden sollen. Auch Herzschmerz darf sein, denn neben der harten Grundierung des Synthie-Sounds findet auch das sanfte Moment  seinen Platz.

Fans von „Depeche Mode“ werden beim Hören genauso ihre Freude haben wie die der etwas dunkleren musikalischen Seite. Als einst gestandener Rocker mit reichlich Tour-Erfahrung hat Joki Schaller seine Erfolgsträume der Realität angepasst. „Der Musikmarkt hat sich massiv verändert, und es ist noch schwieriger geworden, groß rauszukommen.“ Die Stücke werden deshalb immer besser, weil er für sich eine Lebensgrundlage gefunden hat, die auch seine Texte prägt. „Ich habe mich mit den Dämonen, die mich umgeben, abgefunden und fordere sie zum Tanz heraus.“ Diese Gefühlslage verleiht dem Album seine besondere Tiefe, denn „Imaginary War“ sind deutlich mehr als eine Retro-Wave-Band von der Stange.