Tod mit 89 Humanethologe Eibl-Eibesfeldt gestorben

Der Humanethologe Irenäus Eibl-Eibesfeldt in seinem Büro bei der Forschungsstelle für Ornithologie der Max-Planck-Gesellschaft in Andechs (2013). Foto: Inga Kjer
Der Humanethologe Irenäus Eibl-Eibesfeldt in seinem Büro bei der Forschungsstelle für Ornithologie der Max-Planck-Gesellschaft in Andechs (2013). Foto: Inga Kjer © Foto: Inga Kjer
München/Starnberg / DPA 03.06.2018

Der Verhaltensforscher und Begründer des Fachs Humanethologie, Irenäus Eibl-Eibesfeldt, ist nach kurzer, schwerer Krankheit am Samstag gestorben. Das wurde am späten Samstagabend aus seinem engen Freundes- und Familienkreis bekannt. Am 15. Juni wäre er 90 Jahre alt geworden.

Der Österreicher Eibl-Eibesfeldt war Schüler des Medizin- Nobelpreisträgers und Verhaltensforschers Konrad Lorenz. Er erforschte über Jahrzehnte Verhalten, zuerst bei Tieren und dann beim Menschen - und begründete die Humanethologie als eigene Disziplin.

Er eckte auch an - etwa mit seiner These von der angeborenen Fremdenscheu. Zugleich war es ihm stets ein zentrales Anliegen, das Gemeinsame der Menschen aufzuzeigen.

Gerade Eibl-Eibesfeldt habe viel zum Verständnis der Kulturen beigetragen, sagte in einer ersten Reaktion auf die Todesnachricht der Mediziner und Humanethologe Wulf Schiefenhövel, der die Arbeit Eibl-Eibesfeldts in Seewiesen am Max-Planck-Institut für Ornithologie - frühere für Verhaltensphysiologie - weiterführt. „Er war ein Mann, der nie mit dem Strom geschwommen ist und der sich auch eingemischt hat in die politische Diskussion.“ Eibl-Eibesfeldt „war ein Titan in seiner Fähigkeit der Beobachtung und in seiner Kraft der wissenschaftlichen Synthese“.

Nicht zuletzt habe er der Nachwelt eines der größten und einmaligsten Film-Archive der Welt hinterlassen. Von seinen Reisen brachte Eibl-Eibesfeldt rund 350 Kilometer Filmmaterial mit, das inzwischen beim Frankfurter Senckenberg-Museum liegt.

„Wir verlieren einen großartigen Menschen, Wissenschaftler, Mentor und Freund, der viele Leben in einem gelebt hat, engagiert, unermüdlich und stets neugierig“, sagte seine langjährige wissenschaftliche Mitarbeiterin Christa Sütterlin. Eibl-Eibesfeldt sei ein evolutionärer Denker gewesen, der hinter der Vielfalt stets im Auge behalten habe, was alle Menschen verbinde. „Er war einer der letzten großen Naturforscher, der Wissenschaft auch als Abenteuer betrieben hat.“ In der politischen Debatte habe es für ihn keine Feinde, sondern höchstens Meinungsgegner gegeben. „Mit ihnen hat er sich gerne angelegt. Der große Anreger wird uns fehlen.“

In den vergangenen Jahren hatte der gebürtige Wiener, der mit seiner Frau Eleonore am Starnberger See lebte, Material aus seiner jahrzehntelangen Tätigkeit aufgearbeitet. Zuletzt hatte er sich zunehmend aus der Arbeit zurückgezogen. Den runden Geburtstag hatte er im Kreise seiner Familie feiern wollen, auch Freunde und Kollegen aus aller Welt wurden erwartet.

Lebenslauf Eibl-Eibesfeld

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel